Das verklärte Braun ihrer Augen schimmert unter den flackernden Lidern zu mir empor. Jede Faser ihres zitternden Körpers drängelt sich mir entgegen und ihre rosigen Lippen sprechen leise flüsternd aus, was ihre Augen bereits mehr als einmal verkündet haben. Ich beuge mich zu den flehenden Lippen hinab, um ihre Sehnsucht und ihr Verlangen zu stillen und wir versinken in einem Kuss, der mit der Ewigkeit zu verschmelzen scheint...
Plötzlich ein lautes Klirren! Was bei den Priesterkönigen war das? Ich reibe meine müden Augen und stelle fest, es muss ein Traum gewesen sein. Schnaufend lass ich meinen Kopf zurück ins Kissen fallen. Sicher hat schon wieder dieses tolpatschige Ding von Topfsklavin, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann - die ich aber Wek'ker nennen sollte, kommt mir nebenbei, etwas schräg grinsend, der Gedanke-, einen der Krüge fallen lassen. Wäre nicht der erste und ist sicher auch nicht der letzte. Eigentlich ist mir das recht egal. Was mir aber nicht egal ist, sie riss mich aus meinen Träumen, dabei ist es eigentlich eh längst Zeit aufzustehen. Meine Gefährtin muss sich bereits in ihre Amtsgeschäfte gestürzt haben, denn ihre Seite des Bettes ist leer, das Kissen aufgeschüttelt und ihre Roben liegen auch nicht mehr, wie am Abend zuvor, über der Truhe. Mühsam gelingt es mir, mich aufzurappeln. Nun, wo ich wach bin, ist keines mehr dieser unnützen Dinger aufzufinden. Weder dieser Tolpatsch von Topfsklavin, noch eins der anderen Mädchen. Aber was soll's, etwas Wasser werd ich mir auch selbst ins Gesicht klatschen können.
Als ich gähnend durch den Vorhang schlurfe, stelle ich fest, dass ich mir statt nur etwas kaltes Wasser ins Gesicht, vielleicht doch lieber gleich den ganzen Krug über den Kopf kippen sollte. Ja so ist das halt bei derartigen Träumen, kommt mir schulterzuckend und mit einem Grinsen auf den Lippen in den Sinn. Gesagt, getan. Verdammt, ist das kalt! Aber jetzt bin ich wach und seh auch so aus, zudem kann ich nun ohne Bedenken meine Tunika überstreifen. Also tapse ich unbekleidet vom Bad zurück ins Schlafzimmer, um mich anzuziehen, so zumindest mein Vorhaben. Dort angekommen, muss ich ich allerdings feststellen, dass meine Tunika fehlt. Tja, da waren die Sklavinnen wohl einmal gründlich, also bleibt mir nichts anderes übrig, als mir eine frische herauszusuchen. Ich bin kein Weib - Verzeihung, keine Frau - aber auch ein Krieger hat Tuniken, die er lieber trägt und welche, die er, zwecks fehlenden Tragecomforts, gewissenhaft zu schonen pflegt. Heute habe ich so viel Glück, dass ich es kaum fassen kann. Es sind eben nur noch diese Tuniken übrig, die ich so gewissenhaft schone. Erneut sage ich mir "was soll's" und nehm mir eine davon. Die Wahl fällt leicht, weil ich keine davon sonderlich bevorzuge.
Gerade bin ich dabei mir die Tunika über den Kopf zu ziehen, da verfängt sich etwas in den unsauberen Nähten dieses Modells. Was hab ich heute nur verbrochen, dass jede noch so simple Aufgabe zu einer 'Mission impossible' wird, frage ich mich. Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben. Ja ehrlich, ist so. Da steh ich nun und stecke auf halbem Wege in meiner Tunika fest, keiner weit und breit, der mir zu Hand gehen könnte. Endlich! Ich habe es aus eigener Kraft geschafft mich irgendwie aus den Fäden der Naht zu befreien und das Teil überzuziehen. Beim zurechtzupfen des roten Hemdchens fällt mein Blick auf den Übeltäter. Es war der Ring! Golden mit filigranen Mustern und einer eingravierten Inschrift 'Für immer und einen Tag'. Ich betrachte ihn und plötzlich kehren die Bilder des Traums vor meinem geistigen Auge wieder. Mit verklärtem Blick und seligem Lächeln gebe ich mich ein paar Augenblicken dieser Erinnerung hin, dann kehre ich zurück ins Hier und Jetzt. Ich drehe den Ring ein paar Mal und schiebe ihn wieder etwas höher. Alles sitzt. Und wo es an die Sandalen geht, ist sogar eine Sklavin aufgetaucht, die mir beim Anziehen und Schnüren dieser hilft. Noch eben die Waffen angelegt - fertig! Mit eiligen Schritten mache ich mich auf in Richtung Stadt, um meinen Wachdienst anzutreten...
Catellus
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Donnerstag, 14. Februar 2013
Freitag, 8. Februar 2013
Tarnhorst am Vosk
Es war ein Hexenkessel, und sie haben uns zusammengeschossen. Ich rede von diesen Bastarden aus Ar, dieser entrückten Legion unter Führung des Senators Lucius. Sie hatten in Lydius ein Tarnschiff gestohlen und wohl auch jemanden entführt, hatten Hochburg brüskiert und unter falscher Flagge Kasras Turmus mit einem Schiff angegriffen. Darauf bildete sich eine Koalition der Willigen aus Hochburg, Lydius und Kasra, die dieses Tun abstrafen wollten – wohlweislich unter Ausschluss von Truppen der Voskliga, um deren Stabilität nicht zu gefährden. Gleichwohl wurde eingefordert, die Städte mögen militärische Operationen des Bündnisses auf ihrem Hoheitsgebiet wenigstens tolerieren.
Das Kommando, diese Legion auszulöschen, hat die Koalition mir erteilt. Einem gebürtigen Cosianer, der Erfahrung darin hat, Arer Soldaten im Matsch des Vosk unter seinen Sandalen zu zertreten. Allerdings stellte sich die Koalition der Willigen auch als Koalition der bedingt Bereiten heraus - und eine Armee ist immer nur so stark wie ihr Rückhalt.
Hochburg hatte zunächst Informationen über die Mannstärke des Gegners und seine Angriffsstärke geliefert und seinen Standort. Immerhin der Standort erwies sich als richtig. Aus Kasra standen mir lediglich die wenigen am Vosk stationierten Männer unseres Tarnschiffes „Adoria“ zur Verfügung – ich nahm auch an, das würde reichen, denn ich rechnete mit einer Aufstockung aus Lydius und Hochburg sowie freien Söldnerhauptmännern.
Beim Versammeln der Truppen warteten wir jedoch vergeblich auf Kohorten aus Lydius, denen eigentlich lange im Voraus der Einsatz bekannt war. Schließlich hatte Lydius ihn selbst mit beschlossen. Auch einige Söldnerhauptmänner ließen mich hängen – nur nicht die schlagkräftigen Truppen der „Roten Hand“ um ihren Hauptmann Quintus, die Kasra bereits im Feldzug gegen Belnend eine sichere Hilfe waren. Ich hatte sie eingekauft, und die „Hand“ zog auch Söldner aus Hochburg für den Schlag am Vosk ab. Wieder einmal waren sie eine sichere Bank.
Nur mit halber Mannstärke besetzt, ließ ich die kleine Truppen dennoch ausrücken, es ging ja nur gegen eine Legion aus angeblich Halbverhungerten, die zudem durch Seegefechte vor Turmus dezimiert worden sein sollte. Ich gab Marschbefehl, um mir die Lage vor Ort anzusehen und ein Zeichen zu setzen, das mir aufgetragen wurde: Niemand fährt unter falscher Flagge Kasras, niemand stiehlt Schiffe in Lydius, niemand macht Hochburg dumm an.
Das Lager der Arer erwies sich dabei topografisch allerdings als ein Tarnhorst - nicht zu nehmen im Sturm, ohne dass man wenigstens mit der doppelten Mannstärke als die der Verteidiger gegen die Tore stürmt. Gebaut, um von den Höhenzügen aus Angreifer aus drei Himmelsrichtungen zu beharken – Schutz vor den Pfeilen gibt es kaum. Kurz: eine eigentlich uneinnehmbare Festung, auch nicht in Zangengriffen zu attackieren und allenfalls mit Kommandounternehmen oder in riskanten Luftlandeoperationen zu nehmen. Und es erwies sich, dass auch unsere weiteren Hochburger Informationen über die Truppenstärke der Legion lückenhaft waren – sie war etwa doppelt so groß wie erwartet und der unseren in der Zahl überlegen. Was wir in einer Feldschlacht allerdings durch Erfahrung und Kampfmoral wett gemacht hätten. Es kam aber anders.
Trotz der Chancenlosigkeit befahl ich den Angriff, denn wen Luc von Kasra im Namen Kasras Truppen aufmarschieren lässt, dann zieht er sich nicht einfach zurück, ohne dem Feind wenigstens die Stirn zu bieten und ihm vor die Füße zu spucken, sowie ein Gefühl für das Terrain zu bekommen.
Das Lager des Feindes erwies sich als eine dieser Schießbuden, wie man sie von Jahrmärkten auf dem En Kara Fest kennt. Unsere einzige Deckung war ein Hügel, unser wirklicher Gegner eher nicht die Arer Schützen auf den Zinnen, sondern die Steine und Wälle, hinter denen sie sich versteckten. Brandbomben aus Thalarionöl flogen uns um die Ohren, und ich musste mich bereits bei Quintus von der „Hand“ entschuldigen, dass ich ihm keine Feldschlacht bieten konnte, wie ich sie eigentlich von Arer Truppen kenne, sondern ein derartiges Stellungsscharmützel.
Nachdem durch den Beschuss unsere Angriffskraft auf ein Drittel zusammengeschrumpft war, wollte ich den Rückzug anweisen. Es war einen Moment zu spät, das muss ich mir vorwerfen, aber niemand verlässt gerne einen Kampfplatz - selbst, wenn er bereits von Blut getränkt ist, wenn die Schilde voller Pfeile stecken und der Hohlweg vor dem Tor des Feindes mit Leichen gepflastert war. Taktisch völlig richtig, hatten die Arer Verteidiger unseren drohenden Rückzug vorausgesehen und sich endlich auf das offene Feld getraut, den Ausbruch aus ihrem steinernen Nest gewagt und frische Mannschaften in den Kampf geschickt, die uns in der Kraft dezimierten in den Rücken fielen. Nach einem kurzen Gefecht lagen wir blutend im Staub.
Ich liege nicht gerne blutend im Staub und lasse mich noch weniger gern dann von Leuten plündern, denen ich einmal Sold gezahlt habe, Leuten, die ich persönlich aus Aventicum befreite und die ihr Schwert schließlich gegen die Stadt Kasra gewendet haben, die ihnen einst Nahrung und eine Heimat gab. Aber so läuft es nunmal im Krieg und wenn man sich mit Flüchtlingen aus Ar einlässt, die ihren Stahl verkaufen und einem Senator, zu welchem Zweck auch immer, folgen, den man scheinbar in Ar nicht mehr in die Mauern lässt. Sonst wäre er ja dort und säße nicht irgendwo halbverhungert im Schlamm herum.
Wie dem auch sei, stehen also Valerius und Titus vor mir, einst treue Söldner für Kasra, und halten mir ihren kleinen Vortrag, den sie mir natürlich halten dürfen, weil sie an diesem Tag die Stärkeren waren. So ist das: Wenn du einen Kampf verlierst, erhält der Sieger damit das Recht dich zu verhöhnen und vollzulabern. Da muss man durch. Ein Ohr rein, anderes wieder raus - in dem Bewusstsein, dass nicht jeder Sieg ein Gewinn sein muss, auch ein Verlust kann ein Gewinn sein. Denn nun wissen meine Soldaten und Söldner genau, wie wir den Gegner und sein Terrain einzuschätzen haben.
Dummerweise sah ich Catellus in Fesseln und dachte: Ach du Scheiße. Dem Gefährten der Regentin hatte ich unbedingt angewiesen, sich hinten und in Deckung zu halten – gleichwohl ich natürlich in Kasra und der Regentin erzählen werde, dass er die Truppen vornweg mit entblößter Brust und spöttischer Miene angeführt hat. Falls sie mir meinen Kopf lässt, denn sie ist extrem pingelig mit ihrem Gefährten. Es ist immer riskant, so eine laufende Goldkiste wie ihn im Kampf dabei zu haben: ein vorzügliches Ziel für jeden Erpresser von Lösegeld. Aber auch unumgänglich, denn natürlich ist Catellus ein tapferer Kämpfer, der sich in jede Schlacht stürzt und auf den unbedingter Verlass ist.
Selbstredend war Titus und Valerius der Wert von Catellus klar. Sie haben ihn daher eingesackt und eine immense Lösegeldforderung gestellt – wohl wissend, dass diese gewiss erfüllt werden wird. Ich habe mir dann noch ein wenig beleidigendes Gerede von den beiden angehört über irgendwelche Frauen, auf deren Wort ich höre, und die wasweißichwas machen sollten, um ihren Gefährten wieder… Blablabla, ich krieg es nicht mehr zusammen *winkt ab* Ich sag ja: ein Ohr rein, anderes wieder raus.
Andererseits half auch mein Gerede nichts von Arer Banditen und Geiselnehmern und verhungerten Verbrechern und Schatten ihrer Selbst, damit sie mir Catellus wieder mitgeben. Mein Kopf ist mir ja lieb. Aber: Half nichts, sie nahmen ihn mit. Gefiel mir nicht. auch wenn ich mir sicher war, dass sie ihn hätscheln und tätscheln wegen des Lösegeldes. Außerdem sackten sie noch die Zahlmeisterin der „Roten Hand“ namens Issi ein. Man kann sich vorstellen, dass sie diese anders behandelten. Gefiel sicher Quintus nicht. Nicht gut, wenn Quintus und Luc Dinge nicht gefallen. Da sind wir nachtragend.
Immerhin ließen die Arer alle anderen gehen. Eine ehrenvolle Geste mag man meinen. Tatsächlich wohl eher eine pragmatische, denn sie haben kaum etwas zu Essen dort - ja, nicht einmal vernünftige Ausrüstung, weswegen sie uns plündern ließen. Mit der Lösegeldzahlung wird das nun wohl anders aussehen - ich hoffe jedenfalls, die Regentin hat die für solche Fälle speziell angefertigten Tarnscheiben genommen: die aus dem Falschgold mit dem Eisenkern… Ich hoffe auch, sie redet ein ernstes Wort mit den „Willigen“. Ahja, und dass mein Kopf auf den Schultern bleibt. Das hoffe ich natürlich auch.
Luc
Das Kommando, diese Legion auszulöschen, hat die Koalition mir erteilt. Einem gebürtigen Cosianer, der Erfahrung darin hat, Arer Soldaten im Matsch des Vosk unter seinen Sandalen zu zertreten. Allerdings stellte sich die Koalition der Willigen auch als Koalition der bedingt Bereiten heraus - und eine Armee ist immer nur so stark wie ihr Rückhalt.
Hochburg hatte zunächst Informationen über die Mannstärke des Gegners und seine Angriffsstärke geliefert und seinen Standort. Immerhin der Standort erwies sich als richtig. Aus Kasra standen mir lediglich die wenigen am Vosk stationierten Männer unseres Tarnschiffes „Adoria“ zur Verfügung – ich nahm auch an, das würde reichen, denn ich rechnete mit einer Aufstockung aus Lydius und Hochburg sowie freien Söldnerhauptmännern.
Beim Versammeln der Truppen warteten wir jedoch vergeblich auf Kohorten aus Lydius, denen eigentlich lange im Voraus der Einsatz bekannt war. Schließlich hatte Lydius ihn selbst mit beschlossen. Auch einige Söldnerhauptmänner ließen mich hängen – nur nicht die schlagkräftigen Truppen der „Roten Hand“ um ihren Hauptmann Quintus, die Kasra bereits im Feldzug gegen Belnend eine sichere Hilfe waren. Ich hatte sie eingekauft, und die „Hand“ zog auch Söldner aus Hochburg für den Schlag am Vosk ab. Wieder einmal waren sie eine sichere Bank.
Nur mit halber Mannstärke besetzt, ließ ich die kleine Truppen dennoch ausrücken, es ging ja nur gegen eine Legion aus angeblich Halbverhungerten, die zudem durch Seegefechte vor Turmus dezimiert worden sein sollte. Ich gab Marschbefehl, um mir die Lage vor Ort anzusehen und ein Zeichen zu setzen, das mir aufgetragen wurde: Niemand fährt unter falscher Flagge Kasras, niemand stiehlt Schiffe in Lydius, niemand macht Hochburg dumm an.
Das Lager der Arer erwies sich dabei topografisch allerdings als ein Tarnhorst - nicht zu nehmen im Sturm, ohne dass man wenigstens mit der doppelten Mannstärke als die der Verteidiger gegen die Tore stürmt. Gebaut, um von den Höhenzügen aus Angreifer aus drei Himmelsrichtungen zu beharken – Schutz vor den Pfeilen gibt es kaum. Kurz: eine eigentlich uneinnehmbare Festung, auch nicht in Zangengriffen zu attackieren und allenfalls mit Kommandounternehmen oder in riskanten Luftlandeoperationen zu nehmen. Und es erwies sich, dass auch unsere weiteren Hochburger Informationen über die Truppenstärke der Legion lückenhaft waren – sie war etwa doppelt so groß wie erwartet und der unseren in der Zahl überlegen. Was wir in einer Feldschlacht allerdings durch Erfahrung und Kampfmoral wett gemacht hätten. Es kam aber anders.
Trotz der Chancenlosigkeit befahl ich den Angriff, denn wen Luc von Kasra im Namen Kasras Truppen aufmarschieren lässt, dann zieht er sich nicht einfach zurück, ohne dem Feind wenigstens die Stirn zu bieten und ihm vor die Füße zu spucken, sowie ein Gefühl für das Terrain zu bekommen.
Das Lager des Feindes erwies sich als eine dieser Schießbuden, wie man sie von Jahrmärkten auf dem En Kara Fest kennt. Unsere einzige Deckung war ein Hügel, unser wirklicher Gegner eher nicht die Arer Schützen auf den Zinnen, sondern die Steine und Wälle, hinter denen sie sich versteckten. Brandbomben aus Thalarionöl flogen uns um die Ohren, und ich musste mich bereits bei Quintus von der „Hand“ entschuldigen, dass ich ihm keine Feldschlacht bieten konnte, wie ich sie eigentlich von Arer Truppen kenne, sondern ein derartiges Stellungsscharmützel.
Nachdem durch den Beschuss unsere Angriffskraft auf ein Drittel zusammengeschrumpft war, wollte ich den Rückzug anweisen. Es war einen Moment zu spät, das muss ich mir vorwerfen, aber niemand verlässt gerne einen Kampfplatz - selbst, wenn er bereits von Blut getränkt ist, wenn die Schilde voller Pfeile stecken und der Hohlweg vor dem Tor des Feindes mit Leichen gepflastert war. Taktisch völlig richtig, hatten die Arer Verteidiger unseren drohenden Rückzug vorausgesehen und sich endlich auf das offene Feld getraut, den Ausbruch aus ihrem steinernen Nest gewagt und frische Mannschaften in den Kampf geschickt, die uns in der Kraft dezimierten in den Rücken fielen. Nach einem kurzen Gefecht lagen wir blutend im Staub.
Ich liege nicht gerne blutend im Staub und lasse mich noch weniger gern dann von Leuten plündern, denen ich einmal Sold gezahlt habe, Leuten, die ich persönlich aus Aventicum befreite und die ihr Schwert schließlich gegen die Stadt Kasra gewendet haben, die ihnen einst Nahrung und eine Heimat gab. Aber so läuft es nunmal im Krieg und wenn man sich mit Flüchtlingen aus Ar einlässt, die ihren Stahl verkaufen und einem Senator, zu welchem Zweck auch immer, folgen, den man scheinbar in Ar nicht mehr in die Mauern lässt. Sonst wäre er ja dort und säße nicht irgendwo halbverhungert im Schlamm herum.
Wie dem auch sei, stehen also Valerius und Titus vor mir, einst treue Söldner für Kasra, und halten mir ihren kleinen Vortrag, den sie mir natürlich halten dürfen, weil sie an diesem Tag die Stärkeren waren. So ist das: Wenn du einen Kampf verlierst, erhält der Sieger damit das Recht dich zu verhöhnen und vollzulabern. Da muss man durch. Ein Ohr rein, anderes wieder raus - in dem Bewusstsein, dass nicht jeder Sieg ein Gewinn sein muss, auch ein Verlust kann ein Gewinn sein. Denn nun wissen meine Soldaten und Söldner genau, wie wir den Gegner und sein Terrain einzuschätzen haben.
Dummerweise sah ich Catellus in Fesseln und dachte: Ach du Scheiße. Dem Gefährten der Regentin hatte ich unbedingt angewiesen, sich hinten und in Deckung zu halten – gleichwohl ich natürlich in Kasra und der Regentin erzählen werde, dass er die Truppen vornweg mit entblößter Brust und spöttischer Miene angeführt hat. Falls sie mir meinen Kopf lässt, denn sie ist extrem pingelig mit ihrem Gefährten. Es ist immer riskant, so eine laufende Goldkiste wie ihn im Kampf dabei zu haben: ein vorzügliches Ziel für jeden Erpresser von Lösegeld. Aber auch unumgänglich, denn natürlich ist Catellus ein tapferer Kämpfer, der sich in jede Schlacht stürzt und auf den unbedingter Verlass ist.
Selbstredend war Titus und Valerius der Wert von Catellus klar. Sie haben ihn daher eingesackt und eine immense Lösegeldforderung gestellt – wohl wissend, dass diese gewiss erfüllt werden wird. Ich habe mir dann noch ein wenig beleidigendes Gerede von den beiden angehört über irgendwelche Frauen, auf deren Wort ich höre, und die wasweißichwas machen sollten, um ihren Gefährten wieder… Blablabla, ich krieg es nicht mehr zusammen *winkt ab* Ich sag ja: ein Ohr rein, anderes wieder raus.
Andererseits half auch mein Gerede nichts von Arer Banditen und Geiselnehmern und verhungerten Verbrechern und Schatten ihrer Selbst, damit sie mir Catellus wieder mitgeben. Mein Kopf ist mir ja lieb. Aber: Half nichts, sie nahmen ihn mit. Gefiel mir nicht. auch wenn ich mir sicher war, dass sie ihn hätscheln und tätscheln wegen des Lösegeldes. Außerdem sackten sie noch die Zahlmeisterin der „Roten Hand“ namens Issi ein. Man kann sich vorstellen, dass sie diese anders behandelten. Gefiel sicher Quintus nicht. Nicht gut, wenn Quintus und Luc Dinge nicht gefallen. Da sind wir nachtragend.
Immerhin ließen die Arer alle anderen gehen. Eine ehrenvolle Geste mag man meinen. Tatsächlich wohl eher eine pragmatische, denn sie haben kaum etwas zu Essen dort - ja, nicht einmal vernünftige Ausrüstung, weswegen sie uns plündern ließen. Mit der Lösegeldzahlung wird das nun wohl anders aussehen - ich hoffe jedenfalls, die Regentin hat die für solche Fälle speziell angefertigten Tarnscheiben genommen: die aus dem Falschgold mit dem Eisenkern… Ich hoffe auch, sie redet ein ernstes Wort mit den „Willigen“. Ahja, und dass mein Kopf auf den Schultern bleibt. Das hoffe ich natürlich auch.
Luc
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XI. Legion
Montag, 3. September 2012
Catellus...
...ein junger Krieger. Um genauer zu sein ein Söldner, der vor kurzem in Kasra aufschlug, nachdem er sich ein paar Münzen als Begleitschutz des Sklavenhauses Pinion verdient hatte, angeheuert von Luc, einem Krieger aus Kasra. Catellus nutzte die Reise nach Kasra für eine Auszeit, um seine Münzen, die er sich mal mehr, mal weniger hart verdient hatte, an den Mann zu bringen. Die Tage verstrichen wie im Fluge. Der junge Krieger hatte viel Zeit in der Herberge zugebracht, wo er einige der Bewohner Kasras kennengelernt hatte und außerdem die ein oder andere süße Versuchung kosten durfte, wenngleich dies eine Seltenheit war, schließlich litt die Herberge an Sklavenmangel. Ebenso war ihm die Regentin über den Weg gelaufen, die eine gewisse Anziehung auf ihn ausübte und die ihm jedes Mal ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte, wenn er an sie dachte. Er, der Söldner, hatte sie sogar auf einer Reise begleitet, ohne dafür auch nur eine einzige Münze zu nehmen. In Catellus wuchs allmählich der Wunsch heran, sein bislang eher rastloses Leben in ruhigere Bahnen zu lenken und endlich einer Gemeinschaft, einem Heimstein anzugehören.
Es war sehr früh, gerade hell geworden. Er stand vor einer Schüssel Wasser, stützte sich auf deren Rand und betrachtete darin sein leicht verzerrtes Spiegelbild. Catellus neigte den Kopf von links nach rechts und wieder zurück, strich dabei immer wieder über seinen Drei-Tage-Bart. Heute Abend sollte der Rat tagen, das hatte er auf der Reise mitbekommen. Und auch schon die Tage zuvor wurde davon gesprochen. Von Marcus, einem Angehörigen der blauen Kaste, der sich in Kasra wohl als neuer Gutsverwalter versuchte, erfuhr er, dass der Weg zu einer Bewohner- oder sogar Bürgerschaft, also der Möglichkeit sich niederzulassen, nur über den Rat führte.
Catellus verwischte sein Spiegelbild, als er seine große Hand, zu einer Schale geformt, ins Wasser tauchte, um sich eine ordentliche Portion des kühlen Nass ins Gesicht zu schaufeln. Jetzt war er wach! Er legte nun größte Sorgfalt in sein weiteres Tun, egal ob es beim Waschen oder beim Rasieren war, selbst bei der Wahl seiner Tunika. Man hätte meinen können, eine freie Frau stünde vor ihrem Kleiderschrank, damit überfordert die passende Wahl zu treffen. Als er sich die Tunika vom Vortag griff und sie vom Stuhl zerrte, über den er sie geworfen hatte, fiel ein kleiner Gegenstand leise klappernd zu Boden. Der junge Söldner beugte sich herab und hob den kleinen, flachen Gegenstand auf.
In seiner offenen Hand liegend, betrachtete er diesen. Immer wieder zuckten seine Mundwinkel nach oben, begleitet von einem Stirnrunzeln. Scheinbar amüsierte es ihn, machte ihn aber auch nachdenklich. Eine platinfarbene Karte von recht geringer Größe war es, die in seiner Handfläche lag. Sie wurde bei der Besichtigung eines neuen, etwas versteckten Badehauses einige Male erwähnt, denn ohne die, sollte zukünftig niemandem der Zutritt gewährt werden. Catellus schloß seine Hand immer wieder, nur um sie wenige Augenblicke später wieder zu öffnen. Es schien, als wollte er überprüfen, ob sie wirklich da war. War sie! So leicht sie auch war, er spürte sie doch deutlich in seiner Hand. Seine Aufmerksamkeit schließlich wieder der Tunika zugewandt, fiel seine Wahl auf jene, die er bei der Reise trug, immerhin sollte er auch was hermachen, wenn er vor den Rat trat. Catellus legte die kleine Karte kurz beiseite, bis er die Tunika übergestreift hatte, dann verstaute er sie sicher, dicht an seinem Körper. Nun bestückte er sich noch mit einem Teil seiner Rüstung und den Waffen, bereit die Herausforderung anzunehmen.
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