Posts mit dem Label Kasra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kasra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 28. April 2014

Alte kasrische Tradition oder "Die Kettengeschichte"



Etwas mit sehr alter Tradition in Kasra ist auferstanden. Gestern trafen sich erstmals nach langer Zeit wieder Bürger, um eine Kettengeschichte zu erzählen.

Für den Fall, dass jemand das Prinzip Kettengeschichte nicht kennt: Es ist eine "Gruppenarbeit", wobei das Wort Arbeit ansich nicht zutrifft. Es ist mehr Vergnügen als Arbeit. Es wird eine Ausgangssituation in den Ram gestellt. In unserem Fall war es diese:

Diesmal handelt die Geschichte nicht von dem hohen Norden. Sondern einem einfachen Bauern namens Kunibert, welcher seine Tage einsam auf dem Feld verbrachte, die Boskzucht voran treibt und die anliegende Stadt mit Nahrungsmitteln versorgte. Es war ein friedliches Leben, geschützt von der Stadt im Rücken, aber frei genug außerhalb der Mauern. Eines friedlichen Tages, als er mit einem Karren mal wieder das eigens geschlachtete Boskfleisch für den Markt lieferte, da hörte er das Erklingen von Hörnern durch die Gassen der Stadt. Er drehte sich um, um in dem Marktgetummel ausfindig zu machen, woher das Geräusch kam und was es zu bedeuten hatte.

Anschließend geht es reihum. Jeder erzählt die Geschichte ein Stückchen weiter. Ich verzichte an dieser Stelle darauf, Fehler, die über einfache Tipfäler hinausgehen, zu korrigieren. Man sollte sich vor Augen halten, dass derjenige, der schreibt, etwas unter Druck steht dabei. Zum Einen warten alle auf ihn, dass er weiter erzählt. Außerdem ist es je nach Situation, das wird sich hier beweisen, auch nicht immer ganz einfach, sich etwas einfallen zu lassen, wie es weiter geht, wenn der Vorredner eine schwierige Situation geschaffen hat. Das macht Fehler unvermeidlich, aber sie gehören auch zum besonderen Charme einer Kettengeschichte. Eine Kettengeschichte ist eben nicht perfekt. Wer das liest und Lust bekommt, mitzumachen, ist herzlich willkommen. Die Veranstaltungen sind offen. Der Termin zur Fortsetzung wird rechtzeitig u.A. hier gepostet werden. Freitag- oder Sonntagabend sind im Gespräch.

Den Erzählerwechsel könnt ihr hier am neuen Absatz erschließen. Der nächste fuhr dann wie folgt fort.
Er schüttelte kurz den Kopf, als er nicht ausmachen konnte, was Grund des Hornschalls ist. Als er gerade die Hände wieder an die Karre legte, um weiterzugehen, erklangen die Hörner jedoch erneut. Er hielt an uns sah sich um. Auch diesmal konnte er nichts Auffälliges erblicken... Als er sich wieder nach vorne wandte, sah er einen Langfinger auf seiner Flucht, der mit einem mutigen Griff in seinen Karren während er abgelenkt war, ein Stück Boskfleisch an sich gebracht hatte.

Der Langfinger , ein kleiner Bursche, kaum größer diese Sklavin hier ( Anm.: gemeint ist das Mädchen im Arm des Erzählers), lief mit dem Stück Boskfleisch quer über dem Handelsplatz, da er endlich etwas zu Beißen hatte .... gefolgt von Kunibert der fluchend und schnaufend hinterher rannte ... nur dumm, dass er dabei natürlich seinen Wagen abstellen musste ... ein drittes Mal ertönte das Signal und man sah nun, wie die Bürger der Stadt erpicht waren so schnell wie möglich die Gassen frei zu machen , da großer Besuch im Anschein war.

"Macht frei die Gassen und Wege", ertönte es von Wachen auf den Reitthalarien die hervor schritten und die Hörner bliesen, so war in dem kleinen beschaulichen Örtchen klar, dass es etwas sein musste, das die Menschen zu Gesprächen danach noch zusammen treffen riefen. "Ohh! Ahh!" erklang es von man einer Frau, als sie dann den stattlichen Ubar auf seinem weißen Kaiila sahen, welcher hinter den Wachen galoppierte. Doch war es der kleine Dieb, der nur kurz von seinem Erfolg thronen konnte, denn die Menschenmassen wurden immer grösser, sodass es ein kurzer Aufschrei ertönt, zwischen all den Leuten.
Kunibert war nun hin und hergerissen .. dort der Dieb mit seiner Beute, dort sein Wagen, der nun bei der freien Gasse allein noch den Weg der Wachen blockierte. Hinterher oder Wagen retten? Da war es auch schon zu spät. Sein Spurt konnte seine Ware nicht mehr retten. Die vorderen Wachleute drängten ihn zur Seite und er fiel um. Kunibert fluchte wild, wagte sich aber nun nicht gegen den Tross zu stellen. Er glich sich der Menschenmasse an und versuchte stattdessen zu erspähen, wo der Schrei her kam.

Seine Augen flogen nahezu in den Menschenmassen umher. Doch er konnte nicht ausfindig machen, woher der Schrei kam, denn plötzlich schreiten auch schon direkt vor seinen Augen die großen Kaiilas die Gasse entlang. Lediglich die bewaffnete Hand des Soldaten trennte ihn von dem ungeheuren Tier. Der Regent persönlich kehrte nach Hause zurück, ließ die Truppen hinter ihm folgen.. Doch die Augen von Kunibert erspähten etwas viel Interessanteres - das Mädchen des Regenten, welches direkt hinter ihm auf dem Kaiila saß. Sie war von gleißender Schönheit und erfasste sofort Kuniberts Blicke. Er war gefangen von ihrem Äußeren, wie in Trance stand er mitten in der tosenden Menge und starrte das Mädchen einfach nur an, dessen Blicke sich eine kurze Ihn trafen.

Eine ganze Ladung Boskfleisch hatte ihn dieser Anblick gekostet. Vom Erlös hätte er problemlos eine Mondphase leben können, eher mehr. Und jeden einzelnen Tarsk, der ihm an Verdienst ausgefallen war, war der Anblick wert. Sie hatte zierliche, schmale Knöchel und der Rest ihres Körpers passte sich dem an. Nichts für einen Bauern, der eher ein kräftiges Mädchen für die Arbeit kaufen würde. Eher für einen Krieger, einen Mann hoher Kaste, der Geld hat und, dessen Schwert und Mut ihm Macht geben. Das musste man sein. Wohl in einem Moment geistiger Umnachtung, des Träumens, trat er aus der Masse, stellte sich dem Tross in den Weg. "Ich beanspruche dieses Mädchen" rief er in kriegerhafter Geste aus. "Ich erhebe mein Schwert über sie". Sogleich griff er an seinen Gürtel und da holte ihn die Realität wieder ein. Dort war kein Schwert...

Dieser Beitrag wurde kommentiert und ist wohl besonders bei dem, der fortsetzen durfte, nicht auf Gegenliebe gestoßen...

Sein Griff ging ins Leere und noch schlimmer war die Tatsache, dass er vom Kämpfen nicht die geringste Ahnung hatte. Da stand er nun, ein Bauer vor einem Ubar. Das Gesicht von Kunibert wurde fahler und fahler und man konnte regelgerecht ihm ansehen, wie er die Tore der Stadt des Staubes durchschritt, als plötzlich die sanfte Stimme der Sklavin über dem Platz zu vernehmen war. Der Regent blickte fast schon verwirrt drein und stoppte seinen schon längst ausgeführten Schwertschlag. "Erste der Kette, was soll diese Unterbrechung?" Das Mädchen lächelte wie es nur eine ehemalige Jägerin tun konnte, ehe sie wisperte: " Muss das hier auf dem Marktplatz sein, mein Herr, seht euch um!" Er nickte und gab seinen Wachen den Befehl, ihn mitzunehmen.

Zwei der Wachen hielten an und stiegen von ihren Reittieren und schnell legte sich ein Seil um das Handgelenk des Bauern. er konnte sich noch immer nicht rühren, denn die Stimme hatte ihn so beflügelt, dass es ihm die sinne kurz raubte, auch wenn noch immer die Angst in ihm lebt, weiß wie eine Wand folgte er dann schnellen Schrittes den Reittieren, als die wachen wieder darauf saßen und das andere Ende des Seils in der Hand hatte. der Ubar warf seiner First noch einen Blick zu, dass ihr das Blut in den Adern gefror.

Der Bauer Kunibert versuchte noch einmal einen Blick auf die Schönheit zu werfen. Was bei allen Göttern dieses verdammten Planeten auch immer ihn zu dieser Tat geritten hatte, eine Liebe zwischen ihm und der Tochter des Regenten wäre von vornherein verdammt gewesen. Schon wurde er mitgezogen, in das bescheidene Haupt - eine riesige Regentaschaft. Im eigenen Heim besaß der Regent einen Keller mit Käfigen, wo der Bauer eingepfercht wurde.

Was würde aus ihm werden? Das wohl Schlimmste am eingesperrt sein ist die Zeit zum Nachdenken. Nun bei klarem Verstand war er sich bewusst, dass er nicht alt werden sollte, sofern man ihm unterstellte, dass sein Akt wirklich der Tochter des Regenten galt. Es mochte nicht ganz so schlimm werden, sofern man annahm, er hätte die Kajira gewollt, die mit den zierlichen Füßen, die den Anschein machte, aus dem Wald zu stammen. Doch auch hier war nicht damit zu rechnen, dass dem Regenten seine Besitzbeanspruchung wirklich gefallen könnte. Wer würde jetzt das Sar-ta-na ernten, das wohl in wenigen Tagen erntereif geworden wäre? Sich um Haus und Hof kümmern? Mehrere Ahn waren vergangen über seine Gedankenspiele. Ihm waren sie wie Ihn vorgekommen. Aus seinem Gedankenspiel riss ihn das Klingen einer Schüssel, die gegen die Gitter stieß. Es war die zierliche Kajira, die ihm sein Abendbrot zu bringen hatte.

Er wusste den ersten Moment nicht, ob er noch in seinen Gedanken gefangen war, denn vor Augen hatte er das Mädchen die ganze Zeit, er schien sie gar mit auf seinen Feldern arbeiten zu sehen, doch dann war ihm klar, dass er noch immer keine Rätzelslösung hatte, was nun aus seinem Hof würde und dunkel blickte er das Mädchen an, er gab ihr und ihrer Schönheit die Schuld, dass er nun hinter Gittern sitzt. "Stell ab, Sklavin!", raunt es dunkel aus seinen Lippen durch das Kellergewölbe und man sah nur noch, wie sich Arroganz und Überheblichkeit in den Augen des Mädchen spiegelt, als sie die Schüssel durch die gitter schiebt.

Bevor sie die Schüsseln abstellte, grinste sie Kunibert keck an und leckte einmal genüsslich über sein Essen, schob die schüssel dann durch die Gitterstäbe und wartete ab

Kunibert rutschte doch vor, nicht weil er die Schüssel haben wollte, sondern weil er das Mädchen packen wollte. Doch seine Hand griff durch die Gitter ins Leere, denn das Mädchen war schneller. Vor lauter Wut rutscht er wieder zurück. Doch die Ahn vergingen und der Einsamkeit gesellte sich der Hunger hinzu. Der Brei in der Schüssel sah nicht gerade lecker aus, aber er zwang ihn sich trotzdem hinein. Plötzlich erwischte seine Zunge etwas metallenes, hartes, das er sich aus dem Mund fischte und genauer betrachtete.

Es handelte sich um einen Schlüssel. Kunibert sah sich um. Der Schatten des Mädchens, das keck am Türrahmen des Kellerraums lehnte und, dessen langer Schatten offenbar von einer Lampe, die durch die Tür schien, in den Raum geworfen wurde. Sie hatte ihn beobachtet. "Wir haben einen Deal", verkündete die Sklavin, die wohl aus dem Wald stammte, selbstsicher, als hätte sie ihr Leben lang noch nie knien müssen. "Ich helfe Dir hier raus und draußen befreist Du mich vom Collar."

Er dachte nicht lange nach und nickte nur knapp, nahm den Schlüssel und öffnete das Schloss, nur... wie sollte er jetzt den Deal mit der Sklavin einhalten? Sollte er ihn überhaupt einhalten?

Er stürtze nach oben, denn er musste Zeit schinden, ehe sein Fehlen von einem Wachmann bemerkt wurde. Noch während der Regent höchst persönlich für das schwere Vergehen eines seiner Bürger eine hohe Strafe ansetze, schlich sich der Bauer eilig auf flinken Füßen durch die langen Gänge und Flure, in die Freiheit. Das Mädchen im Schlepptau, welches den Weg in die Freiheit kannte. Sie krochen durch eine Luke und schon spürten sie wieder den frischen Wind im Haar, die Menschenmenge vor sich, mischten sich unter, immer das Tor der Stadtmauer im Blick, was das sichere Ziel war.

Kunibert schritt zielsicher auf das Tor zu. Als Krimineller oder als Flüchtling hatte er nur wenig Erfahrung. Eine Hand auf der Schulter stoppte ihn mit bestimmendem Griff, obwohl sie sich zart wie Samt anfühlte. "Bist Du verrückt?" fragte die Kajira. "Die Wachen werden von Deiner Festnahme wissen. So kommst Du hier nicht raus!". "Ja und wie dann?", fragte der Bauer. Die Kajira deutete auf einen mit Heu beladenen Thalarionwagen, der an einer Hausecke abgestellt war. Alsbald kletterten beide in das geladene Heu, um sich auf diesem Wege hinaus schmuggeln zu lassen.

Sie kauerten unter dem Heu. Kunibert musterte die Sklavin genauer, sein Blick fiel auf ihre vollen Lippen und die festen Brüste.

Jaja, was will man von einem Mann, der Autor des letzten Absatzes war männlich, erwarten? Die Frage stellte auch das Publikum.

Und da rappelte der Wagen auch schon los und er musste seine Gedanken vergessen für den Moment. Es war eine holprige Fahrt und allein das hin und her Schütteln drängte die beiden immer wieder zusammen. Er quittierte dies mit einem süffisanten Grinsen, während sie immer wieder versuchte, etwas Abstand zu gewinnen. Das Spielchen ging noch eine Weile so. Die Stimmen der Stadt erstarben und sie schienen sich nun vor den Mauern zu befinden. Ein halbe Ahn später stoppte der Wagen.

Kunibert und die Sklavin nutzten diesen Moment und sprangen aus dem Wagen, die Jägerin landet geschickt auf den nackten Füßen und Kunibert purzelte irgendwie heraus. Als er sich aufrappelte und Strohhalme von der robusten Kleidung klopfte, schaute er sich um.

Während Kunibert sich noch aufrappelte, stand das Mädchen bereits. "Meinen Teil der Abmachung habe ich damit vollbracht", stellte sie fest und ihr Tonfall Kunibert gegenüber war sehr fordernd. Was sollte er nun tun? Er war kein Schmied. Wie sollte er sie aus dem Collar bekommen und wollte er das überhaupt?

Er seufzte, aber sein Blick schien zu erahnen, dass er seinen Teil der Abmachung einhalten wollte, er packte sie am Arm und zog sie mit sich.

Derweil staunte der Fahrer des Wagens nicht schlecht, was sich dort alles aus dem Stroh wälzte. Aber spätestens der Anblick der Sklavin ließ ihn einfach mit erhobenem Arm und weit geöffneten Mund, sabbernd verstummen. Der Bauer bemerkte dies noch als er sich umdrechte und winkte ihm scheinbar dankend zu.
Die beiden landeten ferner von der Stadt, irgendwo am Waldesrand. "Und jetzt kommst du mit!", sagt die Jägerin und obgleich sie keine Waffen hatte, war sie im Vergleich zum Bauern doch recht stark und gewandt. "Wir müssen das Ding irgendwie los werden!"

An dieser Stelle gab es einen kleinen Disput darüber, wer nun mit erzählen dran ist. Die beiden folgenden Absätze kamen nahezu zeitgleich von zwei unterschiedlichen Teilnehmern:

Er schaute die Sklavin kurz verständnislos an, aber ihr entschlossenes Auftreten überrumpelte ihn irgendwie und so tapste er hinter ihr her.

Der Bauer sah das Mädchen etwas unbeholfen an und versuchte ihr die Situation zu erklären: "Es ist nicht, dass ich nicht wollte", beteuerte er. "Aber ich habe kein Werkzeug, ich bin kein Schmied. Wie soll ich das machen?". Das Mädchen fing an zu schluchzen. "Ich kann so nicht zurück zu meinen Schwestern. So würde ich nie mehr ernst genommen. Da wäre ich besser im Palast geblieben!" Sie wurde hysterisch: "So tu doch was!"

Die Auseinandersetzung über die Reihenfolge verlief jedoch friedlich, waffenlos und Verletzte haben sich bisher nicht gemeldet.

Der Bauer sah sich weiter hilflos um. "Bei den Pristerkönigen! Ist doch sicher nicht das erste Mal, dass eine wie du einen Kragen trägt? was macht ihr denn dann?". Er bekam langsam Mitleid, eine weinende Frau rührt jedes Herz, auch wenn sich der Goraner davor verschließt. "Gehen wir ein paar große Steine suchen, das Schloss könnte ich vielleicht zerschlagen". Und so stapften sie in den Wald hinein, tiefer und tiefer. Zum dichten Buschwerk kam hinzu, dass es inzwischen dämmerte. Nicht nur einmal stolperte er zur Belustigung und Aufmunterung der Jägerin.

Irgendwie kam sie nicht umher, dem ungelenken Bauern aufzuhelfen, als er mal wieder da lag. Seine redliche Bemühung und seine Ehrlichkeit gefielen ihr. Er hätte ihr nicht in den Wald folgen müssen. Gut, sie hätte ihm nachlaufen können, wenn er was Anderes versucht hätte, aber wäre den beiden dabei auch nur jemand begegnet, wäre es definitiv sie gewesen, die schlechte Karten gehabt hätte. Sie sah zum Himmel auf, als sie ihn wieder auf den Beinen hatte. "Hast Du schon mal im Wald übernachtet? Das steht uns wohl bevor. Hier kannst Du heute was lernen. Hol Holz!", wies sie ihn an. Ihre Stimme war dabei zwar kommandierend, aber nicht so, wie man einen Sklaven kommandieren würde; eher, wie man einen Schüler anweist, den man anlernen will.

Diese Stelle wurde als gutes Ende befunden. An der Stelle wird zur nächsten Veranstaltung fortgesetzt. Wer teilnehmen will, ist also gut beraten, kurz nachgelesen zu haben, was bisher geschah. Wie gesagt, ist grundsätzlich jeder Interessierte zum Mitmachen willkommen. Der Fortsetzungstermin, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, wird rechtzeitig hier und an weiteren geeigneten Stellen verkündet.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Für immer und einen Tag

Das verklärte Braun ihrer Augen schimmert unter den flackernden Lidern zu mir empor. Jede Faser ihres zitternden Körpers drängelt sich mir entgegen und ihre rosigen Lippen sprechen leise flüsternd aus, was ihre Augen bereits mehr als einmal verkündet haben. Ich beuge mich zu den flehenden Lippen hinab, um ihre Sehnsucht und ihr Verlangen zu stillen und wir versinken in einem Kuss, der mit der Ewigkeit zu verschmelzen scheint...

Plötzlich ein lautes Klirren! Was bei den Priesterkönigen war das? Ich reibe meine müden Augen und stelle fest, es muss ein Traum gewesen sein. Schnaufend lass ich meinen Kopf zurück ins Kissen fallen. Sicher hat schon wieder dieses tolpatschige Ding von Topfsklavin, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann - die ich aber Wek'ker nennen sollte, kommt mir nebenbei, etwas schräg grinsend, der Gedanke-, einen der Krüge fallen lassen. Wäre nicht der erste und ist sicher auch nicht der letzte. Eigentlich ist mir das recht egal. Was mir aber nicht egal ist, sie riss mich aus meinen Träumen, dabei ist es eigentlich eh längst Zeit aufzustehen. Meine Gefährtin muss sich bereits in ihre Amtsgeschäfte gestürzt haben, denn ihre Seite des Bettes ist leer, das Kissen aufgeschüttelt und ihre Roben liegen auch nicht mehr, wie am Abend zuvor, über der Truhe. Mühsam gelingt es mir, mich aufzurappeln. Nun, wo ich wach bin, ist keines mehr dieser unnützen Dinger aufzufinden. Weder dieser Tolpatsch von Topfsklavin, noch eins der anderen Mädchen. Aber was soll's, etwas Wasser werd ich mir auch selbst ins Gesicht klatschen können.

Als ich gähnend durch den Vorhang schlurfe, stelle ich fest, dass ich mir statt nur etwas kaltes Wasser ins Gesicht, vielleicht doch lieber gleich den ganzen Krug über den Kopf kippen sollte. Ja so ist das halt bei derartigen Träumen, kommt mir schulterzuckend und mit einem Grinsen auf den Lippen in den Sinn. Gesagt, getan. Verdammt, ist das kalt! Aber jetzt bin ich wach und seh auch so aus, zudem kann ich nun ohne Bedenken meine Tunika überstreifen. Also tapse ich unbekleidet vom Bad zurück ins Schlafzimmer, um mich anzuziehen, so zumindest mein Vorhaben. Dort angekommen, muss ich ich allerdings feststellen, dass meine Tunika fehlt. Tja, da waren die Sklavinnen wohl einmal gründlich, also bleibt mir nichts anderes übrig, als mir eine frische herauszusuchen. Ich bin kein Weib - Verzeihung, keine Frau - aber auch ein Krieger hat Tuniken, die er lieber trägt und welche, die er, zwecks fehlenden Tragecomforts, gewissenhaft zu schonen pflegt. Heute habe ich so viel Glück, dass ich es kaum fassen kann. Es sind eben nur noch diese Tuniken übrig, die ich so gewissenhaft schone. Erneut sage ich mir "was soll's" und nehm mir eine davon. Die Wahl fällt leicht, weil ich keine davon sonderlich bevorzuge.

Gerade bin ich dabei mir die Tunika über den Kopf zu ziehen, da verfängt sich etwas in den unsauberen Nähten dieses Modells. Was hab ich heute nur verbrochen, dass  jede noch so simple Aufgabe zu einer 'Mission impossible' wird, frage ich mich. Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben. Ja ehrlich, ist so. Da steh ich nun und stecke auf halbem Wege in meiner Tunika fest, keiner weit und breit, der mir zu Hand gehen könnte. Endlich! Ich habe es aus eigener Kraft geschafft mich irgendwie aus den Fäden der Naht zu befreien und das Teil überzuziehen. Beim zurechtzupfen des roten Hemdchens fällt mein Blick auf den Übeltäter. Es war der Ring! Golden mit filigranen Mustern und einer eingravierten Inschrift 'Für immer und einen Tag'. Ich betrachte ihn und plötzlich kehren die Bilder des Traums vor meinem geistigen Auge wieder. Mit verklärtem Blick und seligem Lächeln gebe ich mich ein paar Augenblicken dieser Erinnerung hin, dann kehre ich zurück ins Hier und Jetzt. Ich drehe den Ring ein paar Mal und schiebe ihn wieder etwas höher. Alles sitzt. Und wo es an die Sandalen geht, ist sogar eine Sklavin aufgetaucht, die mir beim Anziehen und Schnüren dieser hilft. Noch eben die Waffen angelegt - fertig! Mit eiligen Schritten mache ich mich auf in Richtung Stadt, um meinen Wachdienst anzutreten...

Catellus

Freitag, 8. Februar 2013

Tarnhorst am Vosk

Es war ein Hexenkessel, und sie haben uns zusammengeschossen. Ich rede von diesen Bastarden aus Ar, dieser entrückten Legion unter Führung des Senators Lucius. Sie hatten in Lydius ein Tarnschiff gestohlen und wohl auch jemanden entführt, hatten Hochburg brüskiert und unter falscher Flagge Kasras  Turmus mit einem Schiff angegriffen. Darauf bildete sich eine Koalition der Willigen aus Hochburg, Lydius und Kasra, die dieses Tun abstrafen wollten – wohlweislich unter Ausschluss von Truppen der Voskliga, um deren Stabilität nicht zu gefährden. Gleichwohl wurde eingefordert, die Städte mögen militärische Operationen des Bündnisses auf ihrem Hoheitsgebiet wenigstens tolerieren.

Das Kommando, diese Legion auszulöschen, hat die Koalition mir erteilt. Einem gebürtigen Cosianer, der Erfahrung darin hat, Arer Soldaten im Matsch des Vosk unter seinen Sandalen zu zertreten. Allerdings stellte sich die Koalition der Willigen auch als Koalition der bedingt Bereiten heraus - und eine Armee ist immer nur so stark wie ihr Rückhalt.

Hochburg hatte zunächst Informationen über die Mannstärke des Gegners und seine Angriffsstärke geliefert und seinen Standort. Immerhin der Standort erwies sich als richtig. Aus Kasra standen mir lediglich die wenigen am Vosk stationierten Männer unseres Tarnschiffes „Adoria“ zur Verfügung – ich nahm auch an, das würde reichen, denn ich rechnete mit einer Aufstockung aus Lydius und Hochburg sowie freien Söldnerhauptmännern.

Beim Versammeln der Truppen warteten wir jedoch vergeblich auf Kohorten aus Lydius, denen eigentlich lange im Voraus der Einsatz bekannt war. Schließlich hatte Lydius ihn selbst mit beschlossen. Auch einige Söldnerhauptmänner ließen mich hängen – nur nicht die schlagkräftigen Truppen der „Roten Hand“ um ihren Hauptmann Quintus, die Kasra bereits im Feldzug gegen Belnend eine sichere Hilfe waren. Ich hatte sie eingekauft, und die „Hand“ zog auch Söldner aus Hochburg für den Schlag am Vosk ab. Wieder einmal waren sie eine sichere Bank.

Nur mit halber Mannstärke besetzt, ließ ich die kleine Truppen dennoch ausrücken, es ging ja nur gegen eine Legion aus angeblich Halbverhungerten, die zudem durch Seegefechte vor Turmus dezimiert worden sein sollte. Ich gab Marschbefehl, um mir die Lage vor Ort anzusehen und ein Zeichen zu setzen, das mir aufgetragen wurde: Niemand fährt unter falscher Flagge Kasras, niemand stiehlt Schiffe in Lydius, niemand macht Hochburg dumm an.

Das Lager der Arer erwies sich dabei topografisch allerdings als ein Tarnhorst - nicht zu nehmen im Sturm, ohne dass man wenigstens mit der doppelten Mannstärke als die der Verteidiger gegen die Tore stürmt. Gebaut, um von den Höhenzügen aus Angreifer aus drei Himmelsrichtungen zu beharken – Schutz vor den Pfeilen gibt es kaum. Kurz: eine eigentlich uneinnehmbare Festung, auch nicht in Zangengriffen zu attackieren und allenfalls mit Kommandounternehmen oder in riskanten Luftlandeoperationen zu nehmen. Und es erwies sich, dass auch unsere weiteren Hochburger Informationen über die Truppenstärke der Legion lückenhaft waren – sie war etwa doppelt so groß wie erwartet und der unseren in der Zahl überlegen. Was wir in einer Feldschlacht allerdings durch Erfahrung und Kampfmoral wett gemacht hätten. Es kam aber anders.

Trotz der Chancenlosigkeit befahl ich den Angriff, denn wen Luc von Kasra im Namen Kasras Truppen aufmarschieren lässt, dann zieht er sich nicht einfach zurück, ohne dem Feind wenigstens die Stirn zu bieten und ihm vor die Füße zu spucken, sowie ein Gefühl für das Terrain zu bekommen.

Das Lager des Feindes erwies sich als eine dieser Schießbuden, wie man sie von Jahrmärkten auf dem En Kara Fest kennt. Unsere einzige Deckung war ein Hügel, unser wirklicher Gegner eher nicht die Arer Schützen auf den Zinnen, sondern die Steine und Wälle, hinter denen sie sich versteckten. Brandbomben aus Thalarionöl flogen uns um die Ohren, und ich musste mich bereits bei Quintus von der „Hand“ entschuldigen, dass ich ihm keine Feldschlacht bieten konnte, wie ich sie eigentlich von Arer Truppen kenne, sondern ein derartiges Stellungsscharmützel.

Nachdem durch den Beschuss unsere Angriffskraft auf ein Drittel zusammengeschrumpft war, wollte ich den Rückzug anweisen. Es war einen Moment zu spät, das muss ich mir vorwerfen, aber niemand verlässt gerne einen Kampfplatz - selbst, wenn er bereits von Blut getränkt ist, wenn die Schilde voller Pfeile stecken und der Hohlweg vor dem Tor des Feindes mit Leichen gepflastert war. Taktisch völlig richtig, hatten die Arer Verteidiger unseren drohenden Rückzug vorausgesehen und sich endlich auf das offene Feld getraut, den Ausbruch aus ihrem steinernen Nest gewagt und frische Mannschaften in den Kampf geschickt, die uns in der Kraft dezimierten in den Rücken fielen. Nach einem kurzen Gefecht lagen wir blutend im Staub.

Ich liege nicht gerne blutend im Staub und lasse mich noch weniger gern dann von Leuten plündern, denen ich einmal Sold gezahlt habe, Leuten, die ich persönlich aus Aventicum befreite und die ihr Schwert schließlich gegen die Stadt Kasra gewendet haben, die ihnen einst Nahrung und eine Heimat gab. Aber so läuft es nunmal im Krieg und wenn man sich mit Flüchtlingen aus Ar einlässt, die ihren Stahl verkaufen und einem Senator, zu welchem Zweck auch immer, folgen, den man scheinbar in Ar nicht mehr in die Mauern lässt. Sonst wäre er ja dort und säße nicht irgendwo halbverhungert im Schlamm herum.

Wie dem auch sei, stehen also Valerius und Titus vor mir, einst treue Söldner für Kasra, und halten mir ihren kleinen Vortrag, den sie mir natürlich halten dürfen, weil sie an diesem Tag die Stärkeren waren. So ist das: Wenn du einen Kampf verlierst, erhält der Sieger damit das Recht dich zu verhöhnen und vollzulabern. Da muss man durch. Ein Ohr rein, anderes wieder raus - in dem Bewusstsein, dass nicht jeder Sieg ein Gewinn sein muss, auch ein Verlust kann ein Gewinn sein. Denn nun wissen meine Soldaten und Söldner genau, wie wir den Gegner und sein Terrain einzuschätzen haben.

Dummerweise sah ich Catellus in Fesseln und dachte: Ach du Scheiße. Dem Gefährten der Regentin hatte ich unbedingt angewiesen, sich hinten und in Deckung zu halten – gleichwohl ich natürlich in Kasra und der Regentin erzählen werde, dass er die Truppen vornweg mit entblößter Brust und spöttischer Miene angeführt hat. Falls sie mir meinen Kopf lässt, denn sie ist extrem pingelig mit ihrem Gefährten. Es ist immer riskant,  so eine laufende Goldkiste wie ihn im Kampf dabei zu haben: ein vorzügliches Ziel für jeden Erpresser von Lösegeld. Aber auch unumgänglich, denn natürlich ist Catellus ein tapferer Kämpfer, der sich in jede Schlacht stürzt und auf den unbedingter Verlass ist.

Selbstredend war Titus und Valerius der Wert von Catellus klar. Sie haben ihn daher eingesackt und eine immense Lösegeldforderung gestellt – wohl wissend, dass diese gewiss erfüllt werden wird. Ich habe mir dann noch ein wenig beleidigendes Gerede von den beiden angehört über irgendwelche Frauen, auf deren Wort ich höre, und die wasweißichwas machen sollten, um ihren Gefährten wieder… Blablabla, ich krieg es nicht mehr zusammen *winkt ab* Ich sag ja: ein Ohr rein, anderes wieder raus.

Andererseits half auch mein Gerede nichts von Arer Banditen und Geiselnehmern und verhungerten Verbrechern und Schatten ihrer Selbst, damit sie mir Catellus wieder mitgeben. Mein Kopf ist mir ja lieb. Aber: Half nichts, sie nahmen ihn mit. Gefiel mir nicht. auch wenn ich mir sicher war, dass sie ihn hätscheln und tätscheln wegen des Lösegeldes. Außerdem sackten sie noch die Zahlmeisterin der „Roten Hand“ namens Issi ein. Man kann sich vorstellen, dass sie diese anders behandelten. Gefiel sicher Quintus nicht. Nicht gut, wenn Quintus und Luc Dinge nicht gefallen. Da sind wir nachtragend.

Immerhin ließen die Arer alle anderen gehen. Eine ehrenvolle Geste mag man meinen. Tatsächlich wohl eher eine pragmatische, denn sie haben kaum etwas zu Essen dort - ja, nicht einmal vernünftige Ausrüstung, weswegen sie uns plündern ließen. Mit der Lösegeldzahlung wird das nun wohl anders aussehen - ich hoffe jedenfalls, die Regentin hat die für solche Fälle speziell angefertigten Tarnscheiben genommen: die aus dem Falschgold mit dem Eisenkern… Ich hoffe auch, sie redet ein ernstes Wort mit den „Willigen“. Ahja, und dass mein Kopf auf den Schultern bleibt. Das hoffe ich natürlich auch.

Luc

Sonntag, 6. Januar 2013

Die Schwingen der Freiheit

Mir fällt auf, dass jedes Mal, wenn ich nachdenken muss oder mir über Dinge klar werden will, ich am Wasser lande. Dieses Mal hat es mich an eine breite Stelle des Flusses unterhalb des Gutshofes verschlagen, wo das Wasser ruhig und glatt vor sich hin fließt. Der kleine Bootssteg wurde umfunktioniert bzw. dient zu Testzwecken für eine neue oder vielleicht auch alte Form des Brückenbaus. Mein Fass, auf dem ich seit Tagen die Nachmittage und Abende verbringe, musste ich etwas beiseite rücken. Man stelle sich vor, ich fische und das auch noch recht erfolgreich, dabei esse ich keinen Fisch, zumindest nicht, wenn's nicht unbedingt sein muss. Vielleicht erbarmt sich ja einer meines Fangs und macht daraus Fischsuppe, wobei das nicht weniger grausam ist, zumindest in meinen Augen. Aber psst, das hab ich nie gesagt.

Im Moment gibt es ein großes Thema in Kasra, das allgegenwärtig ist: Del-Ka. Als Krieger hab ich natürlich hier und da mit der Sache zu tun, aber bislang verhält es sich für mich noch recht ruhig. Vielleicht bin ich auch viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Momentan dürstet mir eher nach Ruhe und etwas Abgeschiedenheit, weswegen ich mich wohl auch für das Angeln entschieden habe. Wenn nicht gerade an diesen Brückenbauten oder den Schiffen gearbeitet wird oder jemand panisch um den Hof rennt, weil er meine Gefährtin sucht, ist es hier herrlich ruhig.
Meine Nächte sind kurz, eigentlich eher die von meiner Gefährtin und den ganzen Sklavinnen, aber es bleibt nicht aus, dass wenn sich Elicius und Elea - unsere Zwillinge - vorgenommen haben, lautstark auf ihren Essenwunsch hinzuweisen, ich davon ebenfalls wach werde. Mittlerweile hat sich jedoch die Zeitspanne vergrößert, in der sie ihr Recht fordern, und so werden die Phasen, in denen wir schlafen dürfen, immer länger.

In mir keimt so etwas wie ein schlechtes Gewissen auf, denn ich sitze nun hier mit Blick auf den Fluss, der sich wie eine riesige Ost durch die Landschaft schlängelt, und alles, woran ich denken kann, ist, diesem heranwachsenden Drang nach Freiheit nachzugeben. Dabei habe ich alles, was man sich nur wünschen kann. Eine Gefährtin, schön, klug und einflussreich. Wir sind wohlhabend, haben zwei gesunde Kinder. Sicherlich würde mich so mancher darum beneiden. An manchen Tagen tu ich das sogar selbst. Wirklich! Dennoch höre ich, wenn ich die Augen schließe und versuche der Ruhe hier draußen zu lauschen, den Flügelschlag der Freiheit. Ich sehe nach oben, ob sich ein Tarn oder sonst ein Federvieh nähert, aber es ist nichts zu sehen. Der Himmel ist klar, kein Schatten verdunkelt das Zentralfeuer. Es ist wohl doch nur die Stimme in mir, die sich bemerkbar macht...

Catellus

Dienstag, 13. November 2012

Eine Veränderung kommt selten allein

Es war ohnehin ein seltsamer Tag, aber das Gespräch mit der Heilerin hatte ihn abgerundet. Eigentlich waren schon die ganzen letzten Tage von eigenartiger Natur. Die Straßen waren teils wie ausgestorben, nur Steine, Trümmer und Baugeräte waren zu finden. Die allgemeine Stimmung in der Stadt war wegen des Umbaus schlecht. Die Baufortschritte schienen den Bürgern nicht groß genug zu sein. Dann noch diese Schmierereien an den Häuserwänden, die augenscheinlich diesen Umstand 'untermalen' sollten. Ich gestehe, dass der Umbau auch an meinen Nerven zerrte, aber ebenso das Gezeter unserer Bürgerschaft. Doch all das rückte in den Hintergrund, nachdem die Heilerin mir eine Mitteilung gemacht hatte.

Ich hatte eine Anzeige erwartet oder sonst ein weibisches Gezeter, als sie mich um ein kurzes Gespräch bat. Sie saß vor dem Feuerkrug, der zu diesem Zeitpunkt noch stand, und ich hatte diesen gerade verlassen. Ich folgte ihr um die nächste Ecke, so dass wir ungestört reden konnten. Die Heilerin erklärte mir, dass meine Gefährtin ein Kind erwartet und alles Mögliche drum herum, was zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus ging. So beiläufig wie meine Erzählung klingt, so beiläufig kam mir dieses Gespräch vor. Hier, hinterm Feuerkrug, auf offener Straße. Wow, das hatte ich mir immer anders vorgestellt. Viel eher hätte ich erwartet, dass mich eines Tages meine Gefährtin freudestrahlend mit dieser Nachricht empfängt oder dass wir schön aufgereiht am Schreibtisch der Heilerin sitzen und sie uns die Umstände verkündet. Nur war die Heilerei dem Umbau zum Opfer gefallen und so hat sie sich wohl dazu entschieden, mir dies eben dort mitzuteilen, um den Ärger über die vorübergehend verlorene Heilerei zu unterstreichen.

Da stand ich nun und wartete ungeduldig die letzten Worte ab, die ich sowieso fast gar nicht mehr wahrnahm. Meine Gedanken schwirrten nur so. Kaum dass sich die Heilerin von mir verabschiedet hatte, drehte ich auf dem Absatz um und kehrte zu meiner Gefährtin zurück, die noch immer am Eingang des Feuerkruges stand. Ja, sie stand dort und nein, keine Ahnung, warum es die Heilerin nicht ihr direkt oder uns beiden mitgeteilt hatte. Ich sagte nicht viel, sondern griff nach Nastys Handgelenk und zog sie mit mir. Erst als wir in unserer Notunterkunft, dem Zelt, ankamen und ich stoppte, bemerkte ich, wie schnell mein Schritttempo gewesen sein musste, denn wir standen beide schnaufend im Zelt und rangen nach Luft. Nachdem ich wieder zu Atem gekommen war, sagte ich ihr, dass mir die Heilerin das Ergebnis des Bluttestes mitgeteilt hätte. Nasty sah mich nur an aus ihren großen, braunen Augen und wartete stillschweigend ab. Es dauerte eine kleine Weile bis sie realisierte, was ich ihr zu sagen versuchte. Umso größer war die Freude, als die Nachricht endlich angekommen war.

Jetzt würde sich so einiges verändern. Veränderungen können aufregend sein, sie bedeuten oftmals einen Fortschritt, ein Vorankommen, aber sie können jemanden auch in Angst und Panik versetzen, was beispielsweise der Umbau Kasras sehr deutlich gezeigt hatte. Man neigt dann zu allerlei seltsamen Handlungen und Gefühlsausbrüchen. Auch mich beschlichen ein paar bange Gedanken, die aber schnell der Freude wichen und von anderen Gedanken verdrängt wurden. Nasty fing immer wieder davon an, dass sie nun wüsste, warum sie zugenommen hätte. Dies hatte sie in letzter Zeit öfter erwähnt, aber ich konnte keine großartigen Veränderungen an ihr feststellen. Allerdings würde dies nun nicht mehr lange so bleiben und spätestens dann, würden es auch alle anderen erfahren. Bei diesen Gedanken kam mir auch in den Sinn, dass uns jemand dort an der Häuserecke gehört haben könnte oder dass es die Heilerin nicht nur mir zwischen Tür und Angel erzählt hatte, sondern eben auch noch jemand anderem und sich nun so diese Neuigkeit wie ein Lauffeuer in den frisch gepflasterten Gassen Kasras ausbreitete. Schnell verwarf ich jedoch den Gedanken mit der plaudernden Heilerin. Und selbst wenn, es war kein Geheimnis oder würde zumindest keines bleiben...

Catellus

Freitag, 19. Oktober 2012

Beim Spielen müssen viele verlieren, damit wenige gewinnen können

Nun sind es mittlerweile fünf Hand*. So lange währt meine Gefährtenschaft mit der Regentin von Kasra bereits. Warum ich gerade auf diesen Zeitraum zurückblicke? Ganz einfach: an unserer Gefährtenschaftsfeier wurden Prognosen erstellt und sogar Wetten abgeschlossen, dass diese Gefährtenschaft nicht länger als fünf Hand halten würde, was mit dem heutigen Tag widerlegt wäre.

Ich gebe zu, dass es nicht einfach ist, an der Seite einer so einflussreichen Frau zu stehen, überhaupt an der Seite einer Frau. Ich war lange rastlos, alleine und nur auf mich selbst gestellt. Niemand, auf den man achten musste, für den man Sorge zu tragen hatte und so kommt es immer wieder mal vor, dass mich dieses Gefühl übermannt, ausbrechen und dieses unbeständige und von Freiheit geprägte Leben wieder aufnehmen zu müssen. Doch spätestens wenn ich in diese braunen, leicht mandelförmigen Augen blicke und ihre rosigen Lippen beobachte, wie sie Worte der Zuneigung formen, weiss ich, dass ich nirgendwo anders sein möchte als bei ihr - hier in Kasra.

Catellus


* Wochen (für den Nicht-Goreaner^^)

Donnerstag, 13. September 2012

Der große Tag

Ich sitze am Wasser, unweit von hier ist der Gutshof. Morgen ist dort mein großer Tag, unser großer Tag, doch die oft beschworene und ständig nachgefragte Aufregung ist bei mir noch nicht angekommen. Es ist wie in einem Traum. Gestern wanderte ich noch unruhig umher und morgen schon, soll sich das alles komplett verändert haben. Seltsam ist, dass es mir keine Angst macht. Nicht einmal die Tatsache, dass sie das höchste Amt Kasras inne hat. Sie wirkt so zart, zerbrechlich und anschmiegsam, dass ich ständig vergesse, wer oder was sie ist. Nein, eigentlich ist dieses Denken falsch. Sie ist genau das, eine zarte, zerbrechliche Frau. Allerdings ist sie auch nicht zu unterschätzen, denn schließlich ist sie Regentin und lenkt die Geschicke einer ganzen Stadt.

Ich erinnere mich gut an den Abend, an dem sie mich sprechen wollte und an dem sie mir schließlich ihren 'Wunsch' offerierte. Wir standen auf der Mauer oberhalb des Stadtores. Ein herrlicher Ausblick. Sowohl von der Mauer über den ruhig vor sich hinfließenden Fayheen, als auch der Blick in ihre großen, braunen Augen, die, trotz ihrer dunklen Farbe, hell strahlten. War es ihr Blick oder war es ihr Amt, das mich daran hinderte, abzulehnen - oder gar die Mischung aus beidem? Ich weiss es nicht, wirklich nicht. Aber es treibt mir ein Schmunzeln aufs Gesicht, denn es hat den Anschein, als hätte sie mich um den Finger gewickelt. Um diesen kleinen, schlanken Finger, den sie mir an diesem Abend in die Brust bohrte.

Wie auch immer alles zustande kam, nun gibt es kein zurück mehr! Morgen werde ich sie zu meiner Gefährtin nehmen.

Catellus

Montag, 3. September 2012

Catellus...

...ein junger Krieger. Um genauer zu sein ein Söldner, der vor kurzem in Kasra aufschlug, nachdem er sich ein paar Münzen als Begleitschutz des Sklavenhauses Pinion verdient hatte, angeheuert von Luc, einem Krieger aus Kasra. Catellus nutzte die Reise nach Kasra für eine Auszeit, um seine Münzen, die er sich mal mehr, mal weniger hart verdient hatte, an den Mann zu bringen.

Die Tage verstrichen wie im Fluge. Der junge Krieger hatte viel Zeit in der Herberge zugebracht, wo er einige der Bewohner Kasras kennengelernt hatte und außerdem die ein oder andere süße Versuchung kosten durfte, wenngleich dies eine Seltenheit war, schließlich litt die Herberge an Sklavenmangel. Ebenso war ihm die Regentin über den Weg gelaufen, die eine gewisse Anziehung auf ihn ausübte und die ihm jedes Mal ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte, wenn er an sie dachte. Er, der Söldner, hatte sie sogar auf einer Reise begleitet, ohne dafür auch nur eine einzige Münze zu nehmen. In Catellus wuchs allmählich der Wunsch heran, sein bislang eher rastloses Leben in ruhigere Bahnen zu lenken und endlich einer Gemeinschaft, einem Heimstein anzugehören.

Es war sehr früh, gerade hell geworden. Er stand vor einer Schüssel Wasser, stützte sich auf deren Rand und betrachtete darin sein leicht verzerrtes Spiegelbild. Catellus neigte den Kopf von links nach rechts und wieder zurück, strich dabei immer wieder über seinen Drei-Tage-Bart. Heute Abend sollte der Rat tagen, das hatte er auf der Reise mitbekommen. Und auch schon die Tage zuvor wurde davon gesprochen. Von Marcus, einem Angehörigen der blauen Kaste, der sich in Kasra wohl als neuer Gutsverwalter versuchte, erfuhr er, dass der Weg zu einer Bewohner- oder sogar Bürgerschaft, also der Möglichkeit sich niederzulassen, nur über den Rat führte.

Catellus verwischte sein Spiegelbild, als er seine große Hand, zu einer Schale geformt, ins Wasser tauchte, um sich eine ordentliche Portion des kühlen Nass ins Gesicht zu schaufeln. Jetzt war er wach! Er legte nun größte Sorgfalt in sein weiteres Tun, egal ob es beim Waschen oder beim Rasieren war, selbst bei der Wahl seiner Tunika. Man hätte meinen können, eine freie Frau stünde vor ihrem Kleiderschrank, damit überfordert die passende Wahl zu treffen. Als er sich die Tunika vom Vortag griff und sie vom Stuhl zerrte, über den er sie geworfen hatte, fiel ein kleiner Gegenstand leise klappernd zu Boden. Der junge Söldner beugte sich herab und hob den kleinen, flachen Gegenstand auf.

In seiner offenen Hand liegend, betrachtete er diesen. Immer wieder zuckten seine Mundwinkel nach oben, begleitet von einem Stirnrunzeln. Scheinbar amüsierte es ihn, machte ihn aber auch nachdenklich. Eine platinfarbene Karte von recht geringer Größe war es, die in seiner Handfläche lag. Sie wurde bei der Besichtigung eines neuen, etwas versteckten Badehauses einige Male erwähnt, denn ohne die, sollte zukünftig niemandem der Zutritt gewährt werden. Catellus schloß seine Hand immer wieder, nur um sie wenige Augenblicke später wieder zu öffnen. Es schien, als wollte er überprüfen, ob sie wirklich da war. War sie! So leicht sie auch war, er spürte sie doch deutlich in seiner Hand. Seine Aufmerksamkeit schließlich wieder der Tunika zugewandt, fiel seine Wahl auf jene, die er bei der Reise trug, immerhin sollte er auch was hermachen, wenn er vor den Rat trat. Catellus legte die kleine Karte kurz beiseite, bis er die Tunika übergestreift hatte, dann verstaute er sie sicher, dicht an seinem Körper. Nun bestückte er sich noch mit einem Teil seiner Rüstung und den Waffen, bereit die Herausforderung anzunehmen.