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Donnerstag, 14. Februar 2013

Für immer und einen Tag

Das verklärte Braun ihrer Augen schimmert unter den flackernden Lidern zu mir empor. Jede Faser ihres zitternden Körpers drängelt sich mir entgegen und ihre rosigen Lippen sprechen leise flüsternd aus, was ihre Augen bereits mehr als einmal verkündet haben. Ich beuge mich zu den flehenden Lippen hinab, um ihre Sehnsucht und ihr Verlangen zu stillen und wir versinken in einem Kuss, der mit der Ewigkeit zu verschmelzen scheint...

Plötzlich ein lautes Klirren! Was bei den Priesterkönigen war das? Ich reibe meine müden Augen und stelle fest, es muss ein Traum gewesen sein. Schnaufend lass ich meinen Kopf zurück ins Kissen fallen. Sicher hat schon wieder dieses tolpatschige Ding von Topfsklavin, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann - die ich aber Wek'ker nennen sollte, kommt mir nebenbei, etwas schräg grinsend, der Gedanke-, einen der Krüge fallen lassen. Wäre nicht der erste und ist sicher auch nicht der letzte. Eigentlich ist mir das recht egal. Was mir aber nicht egal ist, sie riss mich aus meinen Träumen, dabei ist es eigentlich eh längst Zeit aufzustehen. Meine Gefährtin muss sich bereits in ihre Amtsgeschäfte gestürzt haben, denn ihre Seite des Bettes ist leer, das Kissen aufgeschüttelt und ihre Roben liegen auch nicht mehr, wie am Abend zuvor, über der Truhe. Mühsam gelingt es mir, mich aufzurappeln. Nun, wo ich wach bin, ist keines mehr dieser unnützen Dinger aufzufinden. Weder dieser Tolpatsch von Topfsklavin, noch eins der anderen Mädchen. Aber was soll's, etwas Wasser werd ich mir auch selbst ins Gesicht klatschen können.

Als ich gähnend durch den Vorhang schlurfe, stelle ich fest, dass ich mir statt nur etwas kaltes Wasser ins Gesicht, vielleicht doch lieber gleich den ganzen Krug über den Kopf kippen sollte. Ja so ist das halt bei derartigen Träumen, kommt mir schulterzuckend und mit einem Grinsen auf den Lippen in den Sinn. Gesagt, getan. Verdammt, ist das kalt! Aber jetzt bin ich wach und seh auch so aus, zudem kann ich nun ohne Bedenken meine Tunika überstreifen. Also tapse ich unbekleidet vom Bad zurück ins Schlafzimmer, um mich anzuziehen, so zumindest mein Vorhaben. Dort angekommen, muss ich ich allerdings feststellen, dass meine Tunika fehlt. Tja, da waren die Sklavinnen wohl einmal gründlich, also bleibt mir nichts anderes übrig, als mir eine frische herauszusuchen. Ich bin kein Weib - Verzeihung, keine Frau - aber auch ein Krieger hat Tuniken, die er lieber trägt und welche, die er, zwecks fehlenden Tragecomforts, gewissenhaft zu schonen pflegt. Heute habe ich so viel Glück, dass ich es kaum fassen kann. Es sind eben nur noch diese Tuniken übrig, die ich so gewissenhaft schone. Erneut sage ich mir "was soll's" und nehm mir eine davon. Die Wahl fällt leicht, weil ich keine davon sonderlich bevorzuge.

Gerade bin ich dabei mir die Tunika über den Kopf zu ziehen, da verfängt sich etwas in den unsauberen Nähten dieses Modells. Was hab ich heute nur verbrochen, dass  jede noch so simple Aufgabe zu einer 'Mission impossible' wird, frage ich mich. Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben. Ja ehrlich, ist so. Da steh ich nun und stecke auf halbem Wege in meiner Tunika fest, keiner weit und breit, der mir zu Hand gehen könnte. Endlich! Ich habe es aus eigener Kraft geschafft mich irgendwie aus den Fäden der Naht zu befreien und das Teil überzuziehen. Beim zurechtzupfen des roten Hemdchens fällt mein Blick auf den Übeltäter. Es war der Ring! Golden mit filigranen Mustern und einer eingravierten Inschrift 'Für immer und einen Tag'. Ich betrachte ihn und plötzlich kehren die Bilder des Traums vor meinem geistigen Auge wieder. Mit verklärtem Blick und seligem Lächeln gebe ich mich ein paar Augenblicken dieser Erinnerung hin, dann kehre ich zurück ins Hier und Jetzt. Ich drehe den Ring ein paar Mal und schiebe ihn wieder etwas höher. Alles sitzt. Und wo es an die Sandalen geht, ist sogar eine Sklavin aufgetaucht, die mir beim Anziehen und Schnüren dieser hilft. Noch eben die Waffen angelegt - fertig! Mit eiligen Schritten mache ich mich auf in Richtung Stadt, um meinen Wachdienst anzutreten...

Catellus

Sonntag, 6. Januar 2013

Die Schwingen der Freiheit

Mir fällt auf, dass jedes Mal, wenn ich nachdenken muss oder mir über Dinge klar werden will, ich am Wasser lande. Dieses Mal hat es mich an eine breite Stelle des Flusses unterhalb des Gutshofes verschlagen, wo das Wasser ruhig und glatt vor sich hin fließt. Der kleine Bootssteg wurde umfunktioniert bzw. dient zu Testzwecken für eine neue oder vielleicht auch alte Form des Brückenbaus. Mein Fass, auf dem ich seit Tagen die Nachmittage und Abende verbringe, musste ich etwas beiseite rücken. Man stelle sich vor, ich fische und das auch noch recht erfolgreich, dabei esse ich keinen Fisch, zumindest nicht, wenn's nicht unbedingt sein muss. Vielleicht erbarmt sich ja einer meines Fangs und macht daraus Fischsuppe, wobei das nicht weniger grausam ist, zumindest in meinen Augen. Aber psst, das hab ich nie gesagt.

Im Moment gibt es ein großes Thema in Kasra, das allgegenwärtig ist: Del-Ka. Als Krieger hab ich natürlich hier und da mit der Sache zu tun, aber bislang verhält es sich für mich noch recht ruhig. Vielleicht bin ich auch viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Momentan dürstet mir eher nach Ruhe und etwas Abgeschiedenheit, weswegen ich mich wohl auch für das Angeln entschieden habe. Wenn nicht gerade an diesen Brückenbauten oder den Schiffen gearbeitet wird oder jemand panisch um den Hof rennt, weil er meine Gefährtin sucht, ist es hier herrlich ruhig.
Meine Nächte sind kurz, eigentlich eher die von meiner Gefährtin und den ganzen Sklavinnen, aber es bleibt nicht aus, dass wenn sich Elicius und Elea - unsere Zwillinge - vorgenommen haben, lautstark auf ihren Essenwunsch hinzuweisen, ich davon ebenfalls wach werde. Mittlerweile hat sich jedoch die Zeitspanne vergrößert, in der sie ihr Recht fordern, und so werden die Phasen, in denen wir schlafen dürfen, immer länger.

In mir keimt so etwas wie ein schlechtes Gewissen auf, denn ich sitze nun hier mit Blick auf den Fluss, der sich wie eine riesige Ost durch die Landschaft schlängelt, und alles, woran ich denken kann, ist, diesem heranwachsenden Drang nach Freiheit nachzugeben. Dabei habe ich alles, was man sich nur wünschen kann. Eine Gefährtin, schön, klug und einflussreich. Wir sind wohlhabend, haben zwei gesunde Kinder. Sicherlich würde mich so mancher darum beneiden. An manchen Tagen tu ich das sogar selbst. Wirklich! Dennoch höre ich, wenn ich die Augen schließe und versuche der Ruhe hier draußen zu lauschen, den Flügelschlag der Freiheit. Ich sehe nach oben, ob sich ein Tarn oder sonst ein Federvieh nähert, aber es ist nichts zu sehen. Der Himmel ist klar, kein Schatten verdunkelt das Zentralfeuer. Es ist wohl doch nur die Stimme in mir, die sich bemerkbar macht...

Catellus

Dienstag, 13. November 2012

Eine Veränderung kommt selten allein

Es war ohnehin ein seltsamer Tag, aber das Gespräch mit der Heilerin hatte ihn abgerundet. Eigentlich waren schon die ganzen letzten Tage von eigenartiger Natur. Die Straßen waren teils wie ausgestorben, nur Steine, Trümmer und Baugeräte waren zu finden. Die allgemeine Stimmung in der Stadt war wegen des Umbaus schlecht. Die Baufortschritte schienen den Bürgern nicht groß genug zu sein. Dann noch diese Schmierereien an den Häuserwänden, die augenscheinlich diesen Umstand 'untermalen' sollten. Ich gestehe, dass der Umbau auch an meinen Nerven zerrte, aber ebenso das Gezeter unserer Bürgerschaft. Doch all das rückte in den Hintergrund, nachdem die Heilerin mir eine Mitteilung gemacht hatte.

Ich hatte eine Anzeige erwartet oder sonst ein weibisches Gezeter, als sie mich um ein kurzes Gespräch bat. Sie saß vor dem Feuerkrug, der zu diesem Zeitpunkt noch stand, und ich hatte diesen gerade verlassen. Ich folgte ihr um die nächste Ecke, so dass wir ungestört reden konnten. Die Heilerin erklärte mir, dass meine Gefährtin ein Kind erwartet und alles Mögliche drum herum, was zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus ging. So beiläufig wie meine Erzählung klingt, so beiläufig kam mir dieses Gespräch vor. Hier, hinterm Feuerkrug, auf offener Straße. Wow, das hatte ich mir immer anders vorgestellt. Viel eher hätte ich erwartet, dass mich eines Tages meine Gefährtin freudestrahlend mit dieser Nachricht empfängt oder dass wir schön aufgereiht am Schreibtisch der Heilerin sitzen und sie uns die Umstände verkündet. Nur war die Heilerei dem Umbau zum Opfer gefallen und so hat sie sich wohl dazu entschieden, mir dies eben dort mitzuteilen, um den Ärger über die vorübergehend verlorene Heilerei zu unterstreichen.

Da stand ich nun und wartete ungeduldig die letzten Worte ab, die ich sowieso fast gar nicht mehr wahrnahm. Meine Gedanken schwirrten nur so. Kaum dass sich die Heilerin von mir verabschiedet hatte, drehte ich auf dem Absatz um und kehrte zu meiner Gefährtin zurück, die noch immer am Eingang des Feuerkruges stand. Ja, sie stand dort und nein, keine Ahnung, warum es die Heilerin nicht ihr direkt oder uns beiden mitgeteilt hatte. Ich sagte nicht viel, sondern griff nach Nastys Handgelenk und zog sie mit mir. Erst als wir in unserer Notunterkunft, dem Zelt, ankamen und ich stoppte, bemerkte ich, wie schnell mein Schritttempo gewesen sein musste, denn wir standen beide schnaufend im Zelt und rangen nach Luft. Nachdem ich wieder zu Atem gekommen war, sagte ich ihr, dass mir die Heilerin das Ergebnis des Bluttestes mitgeteilt hätte. Nasty sah mich nur an aus ihren großen, braunen Augen und wartete stillschweigend ab. Es dauerte eine kleine Weile bis sie realisierte, was ich ihr zu sagen versuchte. Umso größer war die Freude, als die Nachricht endlich angekommen war.

Jetzt würde sich so einiges verändern. Veränderungen können aufregend sein, sie bedeuten oftmals einen Fortschritt, ein Vorankommen, aber sie können jemanden auch in Angst und Panik versetzen, was beispielsweise der Umbau Kasras sehr deutlich gezeigt hatte. Man neigt dann zu allerlei seltsamen Handlungen und Gefühlsausbrüchen. Auch mich beschlichen ein paar bange Gedanken, die aber schnell der Freude wichen und von anderen Gedanken verdrängt wurden. Nasty fing immer wieder davon an, dass sie nun wüsste, warum sie zugenommen hätte. Dies hatte sie in letzter Zeit öfter erwähnt, aber ich konnte keine großartigen Veränderungen an ihr feststellen. Allerdings würde dies nun nicht mehr lange so bleiben und spätestens dann, würden es auch alle anderen erfahren. Bei diesen Gedanken kam mir auch in den Sinn, dass uns jemand dort an der Häuserecke gehört haben könnte oder dass es die Heilerin nicht nur mir zwischen Tür und Angel erzählt hatte, sondern eben auch noch jemand anderem und sich nun so diese Neuigkeit wie ein Lauffeuer in den frisch gepflasterten Gassen Kasras ausbreitete. Schnell verwarf ich jedoch den Gedanken mit der plaudernden Heilerin. Und selbst wenn, es war kein Geheimnis oder würde zumindest keines bleiben...

Catellus

Freitag, 19. Oktober 2012

Beim Spielen müssen viele verlieren, damit wenige gewinnen können

Nun sind es mittlerweile fünf Hand*. So lange währt meine Gefährtenschaft mit der Regentin von Kasra bereits. Warum ich gerade auf diesen Zeitraum zurückblicke? Ganz einfach: an unserer Gefährtenschaftsfeier wurden Prognosen erstellt und sogar Wetten abgeschlossen, dass diese Gefährtenschaft nicht länger als fünf Hand halten würde, was mit dem heutigen Tag widerlegt wäre.

Ich gebe zu, dass es nicht einfach ist, an der Seite einer so einflussreichen Frau zu stehen, überhaupt an der Seite einer Frau. Ich war lange rastlos, alleine und nur auf mich selbst gestellt. Niemand, auf den man achten musste, für den man Sorge zu tragen hatte und so kommt es immer wieder mal vor, dass mich dieses Gefühl übermannt, ausbrechen und dieses unbeständige und von Freiheit geprägte Leben wieder aufnehmen zu müssen. Doch spätestens wenn ich in diese braunen, leicht mandelförmigen Augen blicke und ihre rosigen Lippen beobachte, wie sie Worte der Zuneigung formen, weiss ich, dass ich nirgendwo anders sein möchte als bei ihr - hier in Kasra.

Catellus


* Wochen (für den Nicht-Goreaner^^)

Donnerstag, 13. September 2012

Der große Tag

Ich sitze am Wasser, unweit von hier ist der Gutshof. Morgen ist dort mein großer Tag, unser großer Tag, doch die oft beschworene und ständig nachgefragte Aufregung ist bei mir noch nicht angekommen. Es ist wie in einem Traum. Gestern wanderte ich noch unruhig umher und morgen schon, soll sich das alles komplett verändert haben. Seltsam ist, dass es mir keine Angst macht. Nicht einmal die Tatsache, dass sie das höchste Amt Kasras inne hat. Sie wirkt so zart, zerbrechlich und anschmiegsam, dass ich ständig vergesse, wer oder was sie ist. Nein, eigentlich ist dieses Denken falsch. Sie ist genau das, eine zarte, zerbrechliche Frau. Allerdings ist sie auch nicht zu unterschätzen, denn schließlich ist sie Regentin und lenkt die Geschicke einer ganzen Stadt.

Ich erinnere mich gut an den Abend, an dem sie mich sprechen wollte und an dem sie mir schließlich ihren 'Wunsch' offerierte. Wir standen auf der Mauer oberhalb des Stadtores. Ein herrlicher Ausblick. Sowohl von der Mauer über den ruhig vor sich hinfließenden Fayheen, als auch der Blick in ihre großen, braunen Augen, die, trotz ihrer dunklen Farbe, hell strahlten. War es ihr Blick oder war es ihr Amt, das mich daran hinderte, abzulehnen - oder gar die Mischung aus beidem? Ich weiss es nicht, wirklich nicht. Aber es treibt mir ein Schmunzeln aufs Gesicht, denn es hat den Anschein, als hätte sie mich um den Finger gewickelt. Um diesen kleinen, schlanken Finger, den sie mir an diesem Abend in die Brust bohrte.

Wie auch immer alles zustande kam, nun gibt es kein zurück mehr! Morgen werde ich sie zu meiner Gefährtin nehmen.

Catellus

Montag, 3. September 2012

Catellus...

...ein junger Krieger. Um genauer zu sein ein Söldner, der vor kurzem in Kasra aufschlug, nachdem er sich ein paar Münzen als Begleitschutz des Sklavenhauses Pinion verdient hatte, angeheuert von Luc, einem Krieger aus Kasra. Catellus nutzte die Reise nach Kasra für eine Auszeit, um seine Münzen, die er sich mal mehr, mal weniger hart verdient hatte, an den Mann zu bringen.

Die Tage verstrichen wie im Fluge. Der junge Krieger hatte viel Zeit in der Herberge zugebracht, wo er einige der Bewohner Kasras kennengelernt hatte und außerdem die ein oder andere süße Versuchung kosten durfte, wenngleich dies eine Seltenheit war, schließlich litt die Herberge an Sklavenmangel. Ebenso war ihm die Regentin über den Weg gelaufen, die eine gewisse Anziehung auf ihn ausübte und die ihm jedes Mal ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte, wenn er an sie dachte. Er, der Söldner, hatte sie sogar auf einer Reise begleitet, ohne dafür auch nur eine einzige Münze zu nehmen. In Catellus wuchs allmählich der Wunsch heran, sein bislang eher rastloses Leben in ruhigere Bahnen zu lenken und endlich einer Gemeinschaft, einem Heimstein anzugehören.

Es war sehr früh, gerade hell geworden. Er stand vor einer Schüssel Wasser, stützte sich auf deren Rand und betrachtete darin sein leicht verzerrtes Spiegelbild. Catellus neigte den Kopf von links nach rechts und wieder zurück, strich dabei immer wieder über seinen Drei-Tage-Bart. Heute Abend sollte der Rat tagen, das hatte er auf der Reise mitbekommen. Und auch schon die Tage zuvor wurde davon gesprochen. Von Marcus, einem Angehörigen der blauen Kaste, der sich in Kasra wohl als neuer Gutsverwalter versuchte, erfuhr er, dass der Weg zu einer Bewohner- oder sogar Bürgerschaft, also der Möglichkeit sich niederzulassen, nur über den Rat führte.

Catellus verwischte sein Spiegelbild, als er seine große Hand, zu einer Schale geformt, ins Wasser tauchte, um sich eine ordentliche Portion des kühlen Nass ins Gesicht zu schaufeln. Jetzt war er wach! Er legte nun größte Sorgfalt in sein weiteres Tun, egal ob es beim Waschen oder beim Rasieren war, selbst bei der Wahl seiner Tunika. Man hätte meinen können, eine freie Frau stünde vor ihrem Kleiderschrank, damit überfordert die passende Wahl zu treffen. Als er sich die Tunika vom Vortag griff und sie vom Stuhl zerrte, über den er sie geworfen hatte, fiel ein kleiner Gegenstand leise klappernd zu Boden. Der junge Söldner beugte sich herab und hob den kleinen, flachen Gegenstand auf.

In seiner offenen Hand liegend, betrachtete er diesen. Immer wieder zuckten seine Mundwinkel nach oben, begleitet von einem Stirnrunzeln. Scheinbar amüsierte es ihn, machte ihn aber auch nachdenklich. Eine platinfarbene Karte von recht geringer Größe war es, die in seiner Handfläche lag. Sie wurde bei der Besichtigung eines neuen, etwas versteckten Badehauses einige Male erwähnt, denn ohne die, sollte zukünftig niemandem der Zutritt gewährt werden. Catellus schloß seine Hand immer wieder, nur um sie wenige Augenblicke später wieder zu öffnen. Es schien, als wollte er überprüfen, ob sie wirklich da war. War sie! So leicht sie auch war, er spürte sie doch deutlich in seiner Hand. Seine Aufmerksamkeit schließlich wieder der Tunika zugewandt, fiel seine Wahl auf jene, die er bei der Reise trug, immerhin sollte er auch was hermachen, wenn er vor den Rat trat. Catellus legte die kleine Karte kurz beiseite, bis er die Tunika übergestreift hatte, dann verstaute er sie sicher, dicht an seinem Körper. Nun bestückte er sich noch mit einem Teil seiner Rüstung und den Waffen, bereit die Herausforderung anzunehmen.