Freitag, 26. April 2013

Blutiger Schnee

„Wer seid ihr, und warum tragt ihr den Krieg in unser Land – in das Land eurer Väter?“, fragt mich der Alte. Er ist umringt von einigen Kriegern, die ihn schützen sollen.

Ich stehe vor ihm und seinen Verhandlungsführern mitten auf dem Kampfplatz. Vor mir in Sichtweite die Feuer des Clans der Hammaren und weiterer. Hinter mir die Kriegsschiffe, die soeben eine rote Flut unter den Bannern von Kasra, Turmus, Belnend und Lydius, Vier Palmen und der Roten Hand ausgespien haben. Alle vereint unter einem gemeinsamen Ziel und hier in dieser Arschkälte unter meinem Befehl.

Um mich herum stecken bereits jede Menge Pfeile im Boden. Felsen sind mit Blut beschmiert, das trockene Gras sieht aus als habe jemand dort Farbe ausgegossen. Ich höre das Klagen von Verletzten und das Hämmern der Pioniere, die das Lager des Süden befestigen. Die Katapulte und andere Kriegsmaschinen werden entladen. Mitten in der Arbeit hat uns eine erste Angriffswelle überrollt. Provoziert von einigen unserer Truppenteile, die ihre Befehle missachtet oder von ihren Unteroffizieren nicht erhalten haben. Es ist nicht einfach, eine Streitmacht zu einem solchen Kommando unter so vielen Bannern zu führen. Viele Interesse, viele Eitelkeiten und viele kleine Feindschaften, denn manche Truppen standen sich unlängst feindlich gegenüber. Doch die schändlichen und ehrlosen Übergriffe aus dem Norden haben sie zusammengeschweißt.

Also erkläre ich dem Alten: „Unsere Väter waren keine Kindesentführer, keine Banditen und keine Brandstifter.“ Damit spiele ich auf Folgendes an: Diese Hammaren haben in Kasra den Landsitz der Regentin Nasty überfallen und deren junge Tochter geraubt. Sie haben in Turmus schändlich das Gastrecht missbraucht und dort eine friedliche Delegation aus Kasra in einem Hinterhalt überfallen. Sie haben dabei im Hafen von Turmus die Kriegs- und Handelsflotte abgebrannt und dabei einen unermesslichen Schaden angerichtet.

Deswegen erkläre ich meinen Auftrag weiter: „Ich bin hier, um den Clan der Hammaren von der Landkarte zu tilgen. Ich bin hier, um im Auftrag vieler geschändeter Städte und in ungeahnter Einigkeit Rache zu üben.“ Schließlich meine ich, den alten zu erkennen. Es ist dieser Beowulf, der Älteste des Clans. Mich erkennt er auch und sagt, er habe mich so nicht im Staub liegend gar nicht erkannt, und ich gebe freundlich zurück, dass es auch für mich ungewohnt ist, so auf ihn herabzusehen, denn er sei kleiner als gedacht.

Er sagt: „Wenn du den Clan der Hammaren vernichten willst, wirst du den Zorn hunderter Clans beschwören, die ihnen zur Hilfe eilen.“

Natürlich wundert mich das kaum. Ich habe deswegen kürzlich in Turmus empfohlen, auf mittlere Sicht so zu agieren wie wir aus Kasra mit den wilden Stämmen der Tahari: Um Übergriffe im Zaum zu halten und nicht dauernd teuere Heere un unwirtliche Regionen zu entsenden, muss man die Stammesführer kaufen und ihnen Macht versprechen. Man muss ihren Kindern gute Ausbildungen zusagen, die Aufnahme in Kasten, und muss sie Schritt für Schritt assimilieren. Mann muss dafür sorgen, dass sie an der Nadel hängen – und mit ihren eigenen Truppen sozusagen als Auxiliar-Streitkräfte Dinge erledigen, wenn es welche zu erledigen gibt. Alles andere ist logistischer Unsinn – wenngleich manchmal nicht zu verhindern und erforderlich.

Zum Beispiel jetzt, heute und hier. Bevor ich dem Alten erklären kann, dass mir ein Flächenbrand völlig egal ist und das mürbe Gras hier oben eh nicht viel Zunder hat, bevor ich sagen kann welche Forderungen möglicherweise ein Abschlachten seiner Weiber und Kinder verhindern könnte – verliert wieder irgendein Truppenteil die Nerven. Es kommt zu einem Seitengefecht während parlamentarischer Verhandlungen, was eine Katastrophe ist, und ich denke: Wir sollten einige der verantwortlichen Heißsporne im Lager köpfen lassen, um Disziplin in den laden zu bringen.

So entfacht also ein wildes Schlachtgetümmel. Wir, die im Formationskampf ausgebildeten Rarii, haben unsere Probleme damit, in diesem unwirtlichen Terrain und dem Chaos unsere Gefechtsaufstellungen einzunehmen. Können die Kriegsmaschinen, die gerade zusammengebaut sind, nicht positionieren. Wir sind die Taktik des Feindes nicht gewohnt, völlig ungeordnet von allen Seiten und ohne Rücksicht auf jede eigenen Verluste auf uns einzuströmen. Irgendwie erinnert es mich an die Kämpfe im Voskdelta seinerzeit – nur dass wir dort den Feind, die Rencebauern, nicht sehen konnten. Es erinnert mich auch etwas an die ungezügelten Lanzenreiter der Stämme in der Tahari, wenn die Paschas sie aufeinander losjagen und sie „Kavar surpreme“ brüllen.

Diesen Feind im Norden jedoch sehen wir im Gegensatz zu den Rencern. Wir hören ihn auch wie die Kavar-Reiter. Nur ich, ich höre und sehe nichts mehr, weil mir irgendsoein Waldbauer die Axt über den Schädel gezogen hat, noch bevor ich zum Schwert greifen konnte…


PS: Unangenehmer Weise hatte irgendein im Süden lebender Verräter diese Nordleute vor der Strafmaßnahme gewarnt. Weiter heuerten tief im Süden noch kurz vor dem Einsatz Söldner an, die auf dem Schlachtfeld dann die Seiten wechselten und offenbar nur unsere Truppe infiltrieren wollten. Leider kommt man um derartige Dinge der Erfahrung nicht herum. Vielleicht bekommen solche Spitzel an der Tafel Odins ja später einen Extra-Apfel. Oder einen Löffel Honig vom Dorfältesten, wer weiß. Von allen anderen gibt es zumindest einen Pfahl in den Hintern. Ohne Honig, dafür mit Extra-Borke.

Kommentare:

  1. Ich würde fast meinen, der Kommandant steht, egrade unter den hochrangigen Offizieren, mit der Meinung, man müsse in der Roten kaste mal durchgreifen, um wieder für deren vielgerühmte (quasi-römische) Kampfdisziplin zu sorgen, nicht alleine dar.

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  2. Luc , wie immer sehr schön geschrieben. Völlig verständlich, dass es nicht möglich ist, 5 verschiedene gruppen unter einen hut zu bringen, zumal, während des kampfes keine befehle gegeben werden können, weil man ja im mouselook ist. Aber heute neues Spiel, neues Glück, jeder ist wieder in dem Lager, wo er hingehört. Für ein so grosses Kampf-RP fand ich, gab es relativ wenig OOC. Es gibt eben immer welche, die Fehler machen, ich persönlich sehe über sowas grosszügig hinweg, weil das IM-generve wegen eines fehlenden emotes die Sache gar nicht wert ist..wenn alle mal etwas gelassener an die sache herangehen würden und nicht der Combatsieg, sondern das rp an sich im Vordergrund stände, wäre das wirklich schön. Bis heute Abend :) die Devlin

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  3. Luc sagt:

    Aaach, keine Sorge, eigentlich geht das ganz gut mit der Kommunikation auch ohne TS und Skype trotz 5 Gruppen, ich hab den Beitrag hier abschnittsweise bloß etwas in der IC-Sicht hingebogen ;-) Das mit dem RP und Combatsieg sehe ich auch so. Ich sehe auch über viel hinweg. Aber ich sehe eher nicht großzügig drüber hinweg, wenn 20 Leute erstmal an der Ampel stehenbleiben wollen, aber einer dann unbedingt wegen irgendeines Ego-Dings bei Rot losrennen muss und ne Massenkarambolage auslöst, und das wiederholt, wobei dann noch allen anderen das Spiel versemmelt wird. Das sortiere ich nicht pauschal unter Spontaneität ein, sondern unter Holzkopferei, und das finde ich ärgerlich. Natürlich passiert das irgendwie immer bei größeren Events. Ist einfach so. Zigfach erlebt. Klingt nun auch hier alles viel gewichtiger, als ich das nehme ;-) Ich hab Spaß, sonst wäre ich nicht vor Ort ;-)

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    1. ja, wir haben auch Spass, und Hamarus wird heute, falls Verhandlungen sind oder Rückzugs-Lagerpausen, welche ja fürs RP gedacht sind, dann eben ne fette Regionsnachricht rausschicken, damit dass auch jeder mitbekommt, die pausenlose Ballerei hat uns genauso gestört. Ok, man kann nur draus lernen. Dev

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  4. Ich schreibe mal jetzt auch ein paar sätze dazu obwohl ich ein nordmannbin lach.
    Also erstmal ein herzlichen lob an euch ihr habt klasse mitgemacht und es gab kaum ooc stress was das ballern angeht und was ich mir wünschen würde ist einfach nicht stundenlanges ballern das bis spät nacht geht und dann die gewinnen die noch wach sind und bitte nicht falsch verstehen von meiner seite gibt kein gemecker und ich freu mich wie es weiter geht und danke an die fairnis von euch war bis jetzt supergut gewesen .

    MFG
    Soko der Berserker aus Lair

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  5. Sehr schöner Text, Luc.
    Vielleicht fehlt euch Kriegern da im Norden eine Orga-Sammelgruppe für die "Vereinten Südkräfte" oder so? Und wenn dann einer nicht reagiert, bin ich auch eher für den Pfahl mit Borke dran wegen Befehlsmissachtung.

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  6. Luc sagt:

    Ich versuche erstmal immer, solche Gruppen sein zu lassen. Ich habe aber eine solche Gruppe aus vergangenen Events und auch überlegt, die einzusetzen. Vielleicht mache ich das noch. Aber ich bin eigentlich kein Fan davon, weil:

    a) sollte es in Pools langjähriger Spieler auch ohne gehen, b) kann ich dann auch gleich TS oder Skype nehmen, c) gibst du da irgendwelche Sachen durch, die Leute bekommen es genauso mit wie bei einer Einsatzbesprechung, und d) dann kommt 30 Minuten später wer on, der von Gruppenchats nix mitbekommen hat ;-) und f) vielleicht dennoch da war und dann sagt, er habe die Nachricht nicht gesehen.

    Et is halt wie es is, ne.

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  7. Ich bin froh, dass ich den Heimstein hüte. Mein Geduldsfaden ist in solchen Dingen nicht so flexibel wie deiner.

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  8. Regt man sich im Flow des Spiels zu sehr über irgendwelche Dinge auf und steigt auf irgendwas ein, bremst man sich nur selbst aus mit irgendwelchen IMs und Nachrichten und so - zumal die eh schon einen großen Teil ausmachen. Man muss halt immer eine gewisse „Unschärfe“ von Anfang an einkalkulieren - und ganz ehrlich. Eine wirklich sortierte Schlacht mit koordinierten Angriffen habe ich noch nie erlebt. Ab einem bestimmten Punkt zerfasert es ins Haudrauf wie immer ;-) Ich glaube dennoch unerschütterlich dran, dass es irgendwann mal hinhaut, hehe. Aber wie gesagt: Das soll alles nicht jaulig klingen, bzw. klingt hier jauliger als es gemeint ist. In Wahrheit finde ich bislang eigentlich alles supi.

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  9. Wir hatten das bei der Seeschlacht mit der Legion. War aber alles sehr klar geregelt im Vorfeld, in welchem Rahmen das laufen kann.

    UND: Nicht so viele Leute waren beteiligt.

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  10. Luc, Dein Post erzeugt wirklich IC-Vulohaut, weil man das Schlachterlebnis auch als Außenstehende (welchselbige man als Süd-Stadt-Nicht-Heiler-Weibchen rollengerechterweise nunmal ist) erstklassig nachempfinden kann! Und OOC stimmen mich Dein Post wie auch die Kommentare ehrlich froh, weil unisono anklingt, dass es trotz einzelner "One-Man-Shows" im Großen und Ganzen harmonisch lief/läuft, und die Beteiligten ihren Spaß haben. Und das will was heißen bei so einer "Hauptversammlung der Roten Kaste" ;-) In diesem Sinne wünsche ich Deutsch Gor, dass es nicht das letzte Großereignis dieser Art und Güte bleibt!
    Aus dem wohltemperierten Badehaus zu Turmus grüßt in die eisige Tundra des Nordens ;-)
    Mithrandriel

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