Dienstag, 26. März 2013

Der Kommandant und die Autogrammjäger



Staatsbesuch aus Lydius trifft ein – Administrator Gar und seine Entourage besuchen Kasra. Die Straßen sind beflaggt, die Menge jubelt am Straßenrand. Einige Bürger entdecken mich im Begrüßungskomittee, kreischen meinen Namen, und ich gebe mich gewogen, schreibe nebenbei einigen aufgeregten weiblichen Bittstellern aus den unteren Kasten mit Kohlestift ein „L“ aufs Pergament und einigen Kajirae ein „L“  auf die Haut mit Fettstiften, die sie normalerweise zu färben ihrer Wimpern nutzen. Ja, ich bin ein Mann des Volkes, und ich nehme sogar einige Kinder auf den Arm, die mir gereicht werden, streiche anderen übers Haupt. Warum soll man nicht die einfachen Leute glücklich machen und sie ein Stück weit am Glanz der Roten Kaste teilhaben zu lassen?

Sie jubeln auch Alex zu, der die Leibgarde der Regentin befehligt und diese hat aufmarschieren lassen. Sie tragen orangefarbene Schärpen – ich glaube, das soll ein Mix aus dem Gelb der Hausbauerkaste und dem Rot der Rarii sein, also eine gewisse Verbeugung vor der Herrscherin, die an diesem Tag wieder einmal strahlt wie das Zentralgestirn selbst – ihr Licht bricht sich viel tausendfach in den auf Hochglanz polierten Helmen und den Lanzenspitzen und erfüllt die Straßen mit Helligkeit – die Straßen, in die von den Dächern herab Blütenblätter und Goldstaub auf die Staatsgäste geworfen werden, die weiter ziehen in den festlich dekorierten Ratssaal. Dort schließlich geben die Herrscher beider Städte die enge Partnerschaft zwischen Lydius und Kasra bekannt, einer neuen Nord-Süd-Achse der Macht. Anschließend gab es Besäufnis im Landgut der Chefin, ehm, nee, geselliges Beisammensein…

Tja, so geht das ab dieser Tage am Fayeen. Jede Menge los. Ein Rarius aus Turmus hat sich in der Zitadelle einquartiert: Er soll eine Zuchtsklavin zu Kasras Sklavenhändler Tatso liefern. Was bemerkenswert ist, denn einerseits scheint die Qualität der Sklaven aus Kasra allseits geschätzt zu werden, im Umkreis von tausenden Passang. Andererseits ist bemerkenswert, dass ein Soldat geschickt wird, eine Sklavin abzuliefern. Nun, dem Soldaten passte das auch nicht, der klang ziemlich brummig, und anscheinend handelt das sich um ein Spielzeug seines Administrators, das er da nach Kasra lieferte. Sicher ein sehr kostbares, mit dem sich die gehobene Gesellschaft in Turmus einem neuen Hobby widmen will. Und scheinbar ist das auch nötig, die zu bewachen: Kaum eingetroffen, hing auch schon der Wachsoldat Nivaan sabbernd vor dem Quartier rum und faselte von breiten Hüften und derlei Dingen. Hat erstmal einen Tritt in den Arsch bekommen von mir – nicht auszudenken, was das für politische Folgen haben würde, wenn Kasras Soldaten den Hochn…kastigen in Turmus das Hobby versauen – zumal so eine Zuchtsklavin sicher keinen Sklavenwein bekommen hat. Tickende Zeitbombe sozusagen.
Das führt mich dazu, dass meine tollpatschigen Sleens Cassia und Shana mir einen Vorhang versaut haben. Ich rotierte wie ein Herbstblatt im Strudel an der großen Fayeenkurve, als ich ansehen musste, wie die den edlen Stoff aufhängen wollten, dabei in meine Wanne fallen und das Tuch zerreist. Tja. War nicht gut für die. Sie haben jetzt bis Mitte der Woche Zeit, das zu regeln, sonst werde ich sie dem Waldbauern geben, damit sie im Stall bei seinen domestizierten Tarsk angepflockt in der Jauche leben und mit ihnen aus einem Trog essen.


Achja, und nach der Gefährtenschaftsfeier von Phleg fand die nächste schon statt: Der Schreiber Marcus war an der Reihe, die Gefährtenschaft mit der Wirtin einzugehen, und als sei das noch nicht genug, kündigte am selben Abend der Soldat Silaron an, die Gefährtenschaft mit der Dame Chantal einzugehen. Mein lieber Scholli. Schlecht daran ist nur, dass die Wirtin die Kaste wechseln will. Tja, mal schaun, wer dann die Kneipe leitet.

Derweil habe ich mir die Kajira von diesem Schwarzkittel geschnappt, der in einem Zelt am Osttor haust. Dieser Killer namens Khalid. Seine Kajira heißt Nymphea, und ich hab ihr gesagt, er soll sich auf ein Gespräch mit mir vorbereitet. Natürlich hab ich nicht gesagt, worum es geht. Aber ich war lange im Geheimdienst tätig. Ich weiß, wozu Leute fähig sind, die man kauft, und dass es praktisch ist, wenn sich diese Leute mit Mord. Totschlag, Entführung, Erpressung, Tarnung und Informationsbeschaffung auskennen. Zudem Leute, die keinen Heimstein haben – wie die Assassinen. Keine Interessenkonflikte also. Perfekt. Auch keine Zeugen, wenn es drauf ankommt. Und über seine Auftraggeber gibt so ein Attentäter nie etwas preis. Nimmer nicht auch unter Folter. Tun die einfach nicht.

Wobei ich schon noch wissen will, was genau das für einer ist. Hat irgendwas mit der Tahari zu tun, Kavarland, Oase der zwei Scimitare. Ein solches Leichtschwert hat er auch auf dem Rücken und angeblich zwei sehr kleine am Handgelenk eintätowiert. Keine Ahnung, ob der wirklich Khalid heißt oder nicht. Manche Leute, zuvor Kastenlose, etwa tauchen ja auch in der Schwarzen Kaste unter, machen diese Aufnahmerituale mit – lassen sich im Team ausbilden und müssen sich dann jeweils umlegen, wobei der Überlebende in die Kaste darf. Das macht diese Typen hart.

Hm. Und bringt mich auf eine Idee, das Alex auch mal für die verweichlichten Orangeträger seiner Leibgarde vorzuschlagen…

Kommentare:

  1. Bist du dir sicher das dir die Kinder nur so gereicht wurden Luc, oder hing da ein Zettel dran auf dem was von Alimente stand? :)

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  2. Luc sagt:

    Diese Zettel übersieht der Kommandant stets geflissentlich. Es sollte völlig ausreichen, an seinem hochqualitativen Führungspersönlichkeitengenpool teilhaben zu können!

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  3. Antworten
    1. Luc sagt:

      Es ist doch völlig normal, dass die Weiber der unteren Kasten ihre Bälger aufwerten wollen, indem sie die dem Kommandanten unterschieben und abkassieren wollen. Dabei weiß doch jeder, wie sehr der Kommandant auf die Tugendhaftigkeit und Unberührbarkeit der Freien Frauen Kasras achtet.

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    2. Wieso sollte er auch nicht drauf achten? Immerhin gibt es genug Sklavinnen und zudem zetern die freien Frauen immer so :-p

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